nach der Theateraufführung meiner Schülerin in der amerikanischen Schule (Puxi), habe ich mit vielen anderen auf die Schauspieler gewartet, die sich erst noch abschminken und umziehen mußten.
Die Erwachsenen saßen und wer keinen der wenigen Sitzgelegenheiten ergattert hat, trat von einem Bein aufs andere. Manche unterhielten sich, manche schauten sich das Treiben in dem Monitor an, manche fummelten an ihren Handys. Die kleinen Jungen dagegen rannten pausenlos die Treppen rauf und runter und stoppten die Zeit, die sie brauchten, um um das Gebäude zu rennen. Ach, wie gerne hätte ich da mitgemacht! Doch ich bin ja inzwischen eine 50 zig jährige Frau. Wer kommt schon auf die Idee, daß auch Fünfzig jährige - und dazu auch noch Frauen! - viel lieber herumtoben als herumsitzen würden? Zumal ja schon die feingekleideten jungen Teenager - Damen offensichtlich lieber in der bewegungslosen Erwachsenen Welt agieren. Jedenfalls gab es gestern an dieser American School kein einziges Mädchen, das mit den Buben zusammen rumgetobt hat. Die jungen Mädchen taten so als ob sie erwachsen wären und ich beschäftigte mich schließlich damit mir vorzustellen, wie diese jungen Damen wohl 20-30 Jahre später aussehen würden. Das Ergebniss war deprimierend.
Ich scheine mit meiner Bewegungslust eine seltene Ausnahme zu sein. Und ich leide darunter, daß während solcher Wartezeiten niemand auf die Idee kommt mit mir zu spielen oder zu tanzen oder zum Beispiel ein Wettrennen mit mir zu machen. Dabei bin ich gar nicht langsam und Rad schlagen geht auch noch! Wie doof ist doch so ein Erwachsenenleben. Da wird stundenlang nur herumgesessen und über völlig uninteressante Dinge gesprochen.
Heute möchte ich erzählen, daß ich seit einem halben Jahr, genau genommen seit dem 15.September 2012, BiGu praktiziere.
Was ist BiGu? BiGu kommt aus dem Chinesischen und ist die Abkürzung von: Bimian Guliang, was auf deutsch heißt: vermeide Getreide. Dieses BiGu ist ein chinesisches Heilfasten und soll alle möglichen schweren Krankheiten heilen können, zum Beispiel auch Krebs. Durch das Vermeiden von: jeglicher Art tierischen Eiweißes, Zucker, Alkohol, Kaffee, Getreide und aller industriell bearbeiteten Nahrung wird der PH - Wert im Körper erhöht und zwar so sehr, daß nach und nach alle Krankheiten verschwinden.
Gegessen wird Obst, Gemüse und auch rohe (unbearbeitete) Nüsse. Getrunken vorallem Wasser und Kräuter Tee. Ausserdem versucht man möglichst wenig zu essen, also nicht gierig zu sein, sondern sich darauf zu verlassen, daß die Energie aus dem Kosmos einen (mit-)ernährt.
Die ersten zwei Monate meiner Fastenzeit waren schwierig. Ich hatte immer wieder schlechte Laune, weil ich so gerne Brot gegessen hätte oder Kaffee getrunken, u.s.w.. In den ersten beiden Monaten habe ich auch 3 Kilo abenommen. Doch dann - was für ein Wunder! - habe ich - trotz dieser strengen Diät wieder solange zugenommen bis mein Normalgewicht erreicht war. Seitdem nehme ich weder ab noch zu - egal ob ich viel oder wenig esse. Ich spüre normalerweise kein Verlangen mehr nach Brot, Kaffee oder anderen Produkten, die ich beschlossen habe nicht mehr zu essen. Und schon gar nicht nach Fleisch! Eine sehr interessante Erfahrung, die mich vermuten läßt, daß Essen wahrscheinlich nichts anderes ist, als so eine Art Angewohnheit wie zum Beispiel das Rauchen. Man kann es sich zumindest auch halbwegs abgewöhnen. Bitte jetzt nicht laut schreien! Ich habe wirklich keinerlei Mangelerscheinungen. Meine Blutwerte, die kürzlich gemessen wurden, sind ausgezeichnet und ich kann auch noch wunderbar Tanzen und Joggen. Es gibt offensichtlich keinen Muskelschwund, wenn man auf Fleisch und Co verzichtet.
Warum ich das heute erzähle? Gestern habe ich ein ziemlich beeindruckendes Video über den Fleisch Konsum angeschaut. Deswegen möchte ich hier alle Menschen, die noch zweifeln, ob sie auf Fleisch verzichten können, ermutigen es zu versuchen. Wem es sehr schwer fällt, der kann ja einen Kompromiss machen und erstmal den Fleischkonsum reduzieren. Es ist nur am Anfang schwierig, doch nach ein paar Wochen gewöhnt sich der Körper an so eine Ernährungsumstellung und dann vermisst man nichts mehr.
Und weil es hier gerade reinpasst, noch ein Hinweis auf ein ganz besonderes Seminar, das ab Morgen kostenlos im Internet besucht werden kann. Deepak Chopra bietet für alle Interessierten einen dreiwöchigen Meditations Kurs an. Ich habe ein wunderbares Buch von Deepak Chopra gelesen: SynchroDestiny (engl.) und freue mich sehr darauf, von diesem Menschen lernen zu dürfen. Wenn Ihr neugierig geworden seit, könnt Ihr Euch hier anmelden und selber mitmachen.
Jedenfalls hat hier gerade ein neues chinesisches Jahr begonnen. Es ist sehr angenehm das Jahr im Frühling beginnen zu lassen! Die Temperaturen steigen und mit den Temperaturen auch die Hoffnungen.
Nun, auf was hoffe ich eigentlich? Ist die Fähigkeit zu hoffen eigentlich auch schon Liebe?
Alles Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.
Die Überschrift zu diesem Blogbeitrag habe ich übrigens unserem gemeinsamen Buch entnommen: Oben Ohne. In diesem Buch gibt es eine Geschichte von mir zu lesen. Der Herausgeber: Wenyue Ding ist ein Chinese, der in Deutschland lebt und neben seinem Blog auch schon ein Kinderbuch in deutscher Sprache geschrieben hat.
Und, - damit mein Beitrag hier auch noch einen musikalischen Aspekt gewinnt -,hier noch ein Gitarrenstueck: Cafe Moliendo. Ich benutze das Arrangement von meinem italienischen Kollegen und Facebook Freund Giuseppe Torrisi, der die Noten vieler seiner hübschen Arrangements auf der Webseite Guitarfreescores.com kostenlos zum Download anbietet. Sowas nennt man “to use your talent to serve other people”, was mich dazu veranlasst, meinen heutigen Beitrag mit einem Zitat von Deepak Chopra zu beenden:
“Everyone has a dharma or purpose in life. By expressing our unique talents and using them to serve others, we will experience unlimited love, abundance, and true fulfillment in our lives.” Deepak Chopra
Weil ich unglücklicherweise meine Emails der letzten drei Jahre gelöscht habe, bin ich auf einige alte Mails aus dem Jahr 2000 gestossen.
Zu den meisten Menschen, mit denen ich damals guten Kontakt hatte, ist der Kontakt inzwischen abgebrochen oder sehr selten geworden. Teilweise ist es die Entfernung, teilweise sicher auch meine Tendenz in Krisenzeiten lieber nicht zu schreiben…keine Ahnung. Ich habe in diesen 13 Jahren ganz vergessen, wieviele Mails ich damals am Anfang unserer Shanghaier Zeit mit meinen Freunden aus Deutschland gewechselt habe. Und wie schwer es ist, über 13 Jahre Abwesenheit in Kontakt zu bleiben. Denn meine Reisen nach Deutschland sind ja meistens so kurz, daß ich kaum mal Zeit habe, alte Freunde zu treffen.
Unter diesen verlorengegangenen Kontakten ist auch ein sehr, sehr guter und wichtiger Freund. Wir, also mein Mann, dieser Freund und ich, waren früher in Deutschland ein tolles Trio und haben sehr gerne und viel gemeinsam unternommen.
Im ersten Jahr hat mir dieser Freund noch oft geschrieben, aber ich offensichtlich nur sehr selten geantwortet. Dann irgendwann gab es keine Mails mehr und nun kann ich seinen Namen in keinem deutschen Telefonbuch mehr finden - und ich habe gesucht! Vielleicht ist er ja zurück nach Vietnam gegangen. Wie sollen mein Mann und ich ihn jemals wiederfinden? Dieser liebe Mensch war sehr wichtig für uns. Nun weiß ich nicht einmal mehr, ob er noch lebt.
Das ist eine Schattenseite unserer Auswanderung. Und da gibt es noch mehr.
Zur Zeit lebe ich im Krankenhaus. Allerdings nicht als Patientin,sondern als Angehörige eines Kranken.
In China läßt man die Kranken nicht alleine im Krankenhaus, sondern rund um die Uhr, also auch nachts, wachen die Familienangehörigen am Bett des Kranken und leisten Pflegedienste. Natürlich kann man sich für Geld (etwa 200RMB pro Tag) eine professionelle Pflegekraft bezahlen, die dann Hilfe bei den Arbeiten leistet, die man sich selbst nicht zutraut. Doch diese Pflegerinnen betreuen viele Patienten auf mal und erwarten, daß die Angehörigen zumindest da sind und “aufpassen”. Wer nur eine kleine Familie hat, muß sich dann eben für den Krankenhausaufenthalt seines Nächsten Urlaub nehmen und selbst mit im Krankenhaus wohnen. Ich habe hier niemanden, der mich ablösen kann und bin schon seit mehreren Tagen hier. Dafür habe ich allerdings auch ein Bett mit im Krankenzimmer bekommen. Wer sich aber nur “Holzklasse” leisten kann, bekommt kein Bett, sondern schläft im Sitzen. Die “erste Klasse” Patienten zahlen in China wahrscheinlich noch mehr als in Deutschland, genießen dafür aber ein Einzelzimmer mit einem zweitem Bett für die Angehörigen.
Wir sind im Zhongshan Krankenhaus , was in Shanghai für seine guten Ärzte bekannt ist. Weil die Ärzte hier gut sein sollen, ist es aber auch eine Massenveranstaltung mit mehr als zehn großen Gebäuden. Unten bei der Anmeldung tümmeln sich unglaubliche Mengen an Menschen. Man wird erstmal geschubst und gestoßen und von recht unfreundlichen, gestreßten Schwestern “behandelt”. Da es in China nicht üblich ist Privatpraxen zu besuchen, gehen die Menschen wegen jeder Kleinigkeit ins Krankenhaus. Wer erkältet ist, Zahnschmerzen hat oder eine neue Brille braucht - für jeden Arztbesuch geht man ins Krankenhaus. Dort besteht aber kaum die Möglichkeit jedesmal zum selben Arzt zu gehen. Man ist eine Nummer und wird zu einer Nummer geschickt. Jede weitere Untersuchung erfordert das Wandern von einer Station zur anderen. Für alles muß man sich erneut anstellen und in die Menschenmenge begeben. Möchte man zum Beispiel einen Ultraschall machen, wird man zur Ultraschallstation geschickt. Dort gibt es mehrere Zimmer mit Geräten. Vor jedem Zimmer drängt sich eine lange und müde Menschenschlange. Während der eine Patient noch untersucht wird, zieht der nächste Patient schon seine Kleider aus und manchmal ist dann auch noch jemand da, der noch seine Kleider wieder anzieht. Die Türen stehen alle offen, Privatsphäre gibt es nicht.
Diesmal sind wir aber nicht ambulant hier, sondern für eine große Operation . Das Krankenzimmer ist in einem anderen Gebäude als der Operationssaal. Die Patienten, die zur Operation gefahren werden, werden mit den ambulanten Menschenmassen in den überfüllten Liften transportiert. Ich dränge mich mit den Ärzten und meinem Patienten durch die langen Gänge. Schließlich, im Operationsgebäude angelangt, wird es leer und dann darf ich nicht mehr mitkommen und wandere alleine zurück. Ich muß im Krankenzimmer warten. Aber ich warte nicht alleine. Es gibt noch zwei Freunde, die mit dabei sind. Nocheinmal muß ich zurück in das Operationsgebäude um zu unterschreiben, daß ich einverstanden bin, daß mein Mann eine Narkose bekommt. Nach langen zwei Stunden werde ich dann gefragt, ob ich die herausoperierten Körperteile anschauen will. Klar will ich das! Bin dann aber auch wirklich überrascht, wieviel da auf dem Teller liegt. Ein großer Hund könnte sich satt davon essen. Ach ja, zuerst hat man mir ja die falschen Innereien gezeigt. Einen Lungenkrebs von einem anderen Patienten. Glücklicherweise habe ich den Irrtum bemerkt. Wir haben nämlich keinen Lungenkrebs.
Okay, die Krankenstation für erste Klasse ist wenigstens einigermaßen ruhig. Nur 14 Patienten gibt es auf unserer Station. Die Krankenschwestern und Pflegerinnen sind hier auch freundlicher und das Zimmer ist groß. Und heute am vierten Tag geht alles schon viel, viel besser…..
Heute beziehe ich mich auf den Post “Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit”im Kulturbeutel von Christoph Deeg.
Christoph Deeg beklagt sich dort über Zeitmangel und fragt sich wie es wohl so andere Blogger mit den “kreativen Pausen” halten.
Schön, dass er Bloggen mit Arbeiten auf diesselbe Stufe stellt! Das motiviert mich, hier wieder mehr zu schreiben: bloggen als Beruf. Das wär doch mal was - wenn auch nicht unbedingt fuer mich.
Beim Lesen des Artikels von Christoph Deeg und auch von seinem Kommentator Martin Kramer, freue ich mich einfach, weil ich sehe: andere “bewerten” ihre Internet Aktivitaeten höher als ich es bisher tat. Facebook ist “Arbeit”, bloggen sowieso und Diskussionen in diversen Foren laufen ab jetzt unter notwendiger “Netzwerkpflege”. Na, dann bin ich ja auch ziemlich fleissig….
Endlich ist es soweit: worauf hier viele Menschen schon lange gewartet haben ist endlich eingetroffen: Xin Qiao hat eine U-Bahn! Die Station ist allerdings nicht wie zuerst geplant am alten Bahnhof. Nein, es wurde ein neuer Bahnhof gebaut und zwar in einem Gebiet, in dem bisher die aermeren Menschen aus XinQiao gelebt haben.
Der Weg war bis vor Kurzem ein schlammiger Pfad, nun ist er provisorisch asphaltiert, die alten Haeuser stehen zwar noch, aber ich koennte wetten, dass sie demnaechst renoviert werden - zumindest die, die von der neuen Strasse zur U-Bahnstation aus gesehen werden koennen.
Der Weg von meinem Haus zur U-Bahn dauert - wenn ich den Hinterausgang benutze etwa eine Viertelstunde bis zwanzig Minuten. Ich kann entweder an der neuen Schule vorbeigehen oder einen kleinen Umweg machen und am Flussufer laufen, was natuerlich schoener ist.
Bisher faehrt diese U-Bahn nur selten. Sie ist noch in der Testphase. Doch in ein bis zwei Monaten wird sie regelmaessig und oefter fahren. Gestern habe ich die Beamten an der Infostation gefragt, ob diese U-Bahn auch noch abends bis etwa zwoelf Uhr in Betrieb sein wird. Darauf sagten sie mir, dass Chinesen abends schlafen muessen und kein Nachtleben haben, so wie wir Auslaender. Deswegen ist es kaum moeglich, dass unsere neue U-Bahn auch noch nach zehn Uhr abends fahren wird.
wie heute in der Shanghaidaily zu lesen war, wurden bei den Marken Cold Stone, Dairy Queen, Andersen’s of Denmark and Baskin Robbins im Eis alarmierend viele Bakterien gefunden. Es handelt sich um sogenannte Coliform Bakterien.
Schade, wo gerade zu dieser Jahreszeit das Eisessen besonders viel Spass macht!
Der wichtigste Grund, warum ich kaum noch hier schreibe, ist die Tatsache, dass ich mir ja doch meistens nicht getraue oeffentlich ueber das zu schreiben, was mich wirklich bewegt.
Und diese Angst vor Veroeffentlichung hat mit der chinesischen Internetzensur gar nichts zu tun. Es ist die Zensur, die ich mir selber auferlege.
Ich sollte hier mal die Sau rauslassen und der Welt erzaehlen wie sich das Leben fuer mich gerade wirklich anfuehlt. Doch das kann ich nicht. Mein Leben besteht aus lauter nicht erzaehlten Geschichten!
Ich bin gestern zu Hause geblieben, habe Wind und Regen durch die Glasscheiben beobachtet und bin nur manchmal kurz auf den Balkon, um die Abflussloecher zu entstopfen. Die waren naemlich wegen der vielen Zweige und Blaetter dauernd verstopft, so dass das Regenwasser drohte ins Zimmer zu fliessen.
Ausserdem habe ich mich genervt, denn bei uns war Hochbetrieb, da mein Mann kurzfristig seinen Arbeitsplatz in unser Wohnzimmer verlegt hatte. Seine Firma, die in Jinshan nahe der Kueste steht, musste natuerlich schliessen. So sind einige Leute zu uns nach Hause gekommen, um wenigstens etwas arbeiten zu koennen. Ich habe entsprechend kurzfristig mal als Sekretaerin fungiert und meinen Drucker zur Verfuegung gestellt. Bin halt vielseitig begabt. SEUFZ.
Heute scheint die Sonne. Noch weht ein manchmal kraeftiger Wind, doch der Spuk ist vorbei. In unserem Garten hat der Taifun den kleinen Bambuswald ruiniert und drei Tannen umgeschmissen.
Shanghai wird heute wieder arbeiten und das Leben wird weitergehen. Leider nicht fuer alle, denn es gab auch Tote und Verletzte als gestern der Taifun ueber uns hinwegbrauste. Gluecklicherweise konnte dieser Taifun gut vorbereitet werden, sonst waeren die Schaeden wohl viel schlimmer gewesen.
Schon zwei Tage vorher wurden alle Bauarbeiten an hohen Gerüsten niedergelegt und unstabile Bauwerke abgesperrt oder befestigt. Etwa 374 000 Menschen in Shanghai, die in Kuestennaehe wohnen, wurden evakuiert und in oeffentlichen Gebaeuden untergebracht. Waere der Taifun nun plötzlich woanders vorbeigezogen, waere der Aufwandt umsonst gewesen. Auch das passiert ja manchmal. Doch diesmal kam er wirklich, hat Baeume entwurzelt, Strassen unter Wasser gesetzt und alles, was nicht niet und nagelfest war, fortgerissen.
Aus Sicherheitsgründen wurden fast alle Flüge und Zuege von und nach Shanghai gestrichen, der Hafen gesperrt, die Sommerschulen geschlossen, die Autobahnen gesperrt und die Menschen angewiesen zu Hause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu gehen. Entsprechend hatten auch viele Firmen geschlossen. Eine genaue Auflistung der Massnahmen und - leider trotzdem - entstandenen Schaeden koennt Ihr in der Shanghai Daily finden. http://www.shanghaidaily.com/nsp/National/2012/08/09/2%2Bmillion%2Bon%2Bthe%2Bmove%2Bas%2BHaikui%2Bmakes%2Blandfall/
das muss ich hier mal loswerden. Waehrend einige Menschen mich angeblich beneiden weil mein Leben so schoen abwechslungsreich und aufregend sei - “da wirds Dir wenigstens nicht langweilig” - freue ich mich immer, wenn ich mal eine kurze Zeit lang ohne Stoerung sein darf. Aber ohne Stoerung scheint es bei mir nicht zu klappen und deswegen werde ich mich heute hier zum Trotz nur auf die Dinge konzentrieren, die mir Freude machen.
Neben dem chinesischen Altweiber Tanz geniesse ich Begegnungen mit Nachbarinnen wie dieser hier, die taeglich mit ihren zwei Hunden und mindestens drei Katzen in unserem Wohnviertel spazieren geht. Unglaublich suess wie die Katzen freiwillig - also ohne Leine! - mit marschieren! Als ich diese Gruppe das Erstemal sah, habe ich dreimal hinschauen muessen, weil ich es kaum glauben konnte, dass es so etwas gibt. Nun sehe ich sie jeden Tag und freue mich darueber sehr.
Ich weiss nicht, warum ich mich seelisch immer so ausgehungert fuehle, dass ich herumlungere wie ein Strassenkoeter. Egal, was ich mache, nichts hilft. Auch nicht die Gitarre. Woher kommt denn nur mein geistiger Dauerhunger?
Auf jeden Fall schuettet es inzwischen schon seit etwa vier Stunden. Ein Ende ist nicht in Sicht. Es ist fuer mich nicht moeglich das Haus zu verlassen, es sei denn ich will mich komplett durch-duschen lassen. Will ich aber nicht. Nicht mal meine Ai konnte heute zum Arbeiten kommen. Ich hab mir aus einer Konservendose und einer Tomate selbst ein ganz passables Mittagessen gezaubert.
SCHOEN! Schade, dass ich mit dieser Tastatur keine Umlaute schreiben kann. Sonst waere es noch schoener. Je unruhiger der Mensch, desto besser so ein Regenwetter. Fuer mich ist es nahezu optimal.
Wie die Zeit vergeht. Nein, nicht in Shanghai, sondern in Songjiang. Natuerlich ist das ein Unterschied. Komm, dann siehst Du es.
Meine kleinen Freundinnen, die vorigen Sommer noch richtige Kinder waren und mit mir um die Wette geschwommen sind, sehen nun aus wie junge Ladies und treffen sich abends mit Jungs. Den Jungs scheint das etwas peinlich zu sein, den Maedchen gar nicht.
Man spielt erwachsen und ich merke, wie schnell die Zeit vergeht. Es ist bereits die mindestens zweite Generation von Kindern, die ich hier in Shanghai erwachsen werden sehe. Kinder, die als ich hier ankam, gerade mal die erste Klasse besuchten sind nun schon zwanzig jaehrige Studenten und die damals Neugeborenen befinden sich heute mitten in der Pubertaet. Ich will lieber gar nicht wissen wie alt ich nun bin im Vergleich zu frueher.
Meine kleine Schneeli wird auch immer aelter und manchmal macht sie ein zerknautschtes Gesicht und hat dann fast soviele Falten wie ein alter Mensch. Und ich mache einen Mittagsschlaf. Was solls. Es sind Ferien und heiss ist es auch.
Vielleicht schlendere ich gleich zum Clubhaus zum “Alt Frauen Tanz”. Da treffen sich taeglich ein paar meiner Nachbarinnen. Typisch Chinesisch. Manchmal wird der Kasettenrecorder draussen hingestellt und dann tanzt man auf der Strasse oder auf dem Tennisplatz. Doch im Sommer ist es zu heiss fuer draussen. Ballett mache ich auch noch.
Der Sommer ist inzwischen schwuel, feucht und heiss angekommen und macht mich etwas faul.
Doch noch immer schlendere ich abends durch die Strassen von Xin Qiao und erfreue mich an den vielen Tanzgruppen, die sich auf der Strasse, auf Gehwegen und in Einfahrten treffen, um gemeinsam Sport zu treiben. Die Maenner machen das anscheinend genauso gern wie die Frauen. Dafuer mag ich die chinesischen Maenner!
Und noch ein paar kleine Updates:
das Konzert, das eigentlich am Mittwoch den 13ten stattfinden sollte, wird stattdessen am Mittwoch den 20.6. gespielt. Uhrzeit und Ort haben sich nicht geaendert. Und naechsten Sonntag (17.6.) um 17.00 Uhr ist Schuelervorspiel.
Ausserdem habe ich heute einen wahrscheinlich ziemlich heimtueckischen Lebensmittel Vergiftungs Skandal ueberlebt, in dem ich die Katastrophe schon beim ersten Bissen bemerkt habe. Dieser erste Bissen war allerdings so ekelhaft, dass ich ihn jetzt noch nachschmecke und mein Mund, mein Rachen und alles sich immer noch pelzig anfuehlt. Tja, Glueck muss man haben und wach sein. Es sollte fuer mich heute nicht heissen: “friss oder stirb”, sondern “friss nicht, sonst stirbst Du”….Und ich habe nicht gefressen…..
Rueckschritt wird oft als Fortschritt verkauft. Ein Beispiel sind die kleinen Fernseher in den Shanghaier Taxis, die nicht nur die Augen und Nerven der Fahrgaeste ruinieren, sondern auch eine Gehirnwaesche sind, da sie vorallem Werbung ausstrahlen. Wer waehrend so einer Fahrt in diesen Fernseh Taxis ein bischen relaxen moechte, wird sich wahrscheinlich schwer tun.
Nun hat auch die Fluggesellschaft China Eastern ihre neuen Sitze mit Bildschirmen ausgeruestet. Gedacht, um dem Passagier bessere Unterhaltung zu bieten, erregen diese Fernseher doch vorallem Unmut. Um diesen Bildschirm benutzen zu koennen, musste die sowieso knappe Bewegungsfreiheit in der sehr engen Oekoklasse noch mehr eingeschraenkt werden. Wer seine Rueckenlehne nach hinten stellen moechte, wird merken, dass dies kaum noch moeglich ist. Menschen, die bei einem Langstreckenflug - zumal nachts - das Beduerfniss haben zu schlafen, muessen aufrechtsitzend vor sich hinleiden und werden ausserdem noch von dem Fernsehgeblinker des Nebensitzers genervt. Man sitzt auf engstem Raum und starrt auf einen etwa 25cm entfernten Movie. Doch auch der spannendste Film wird in dieser Naehe Kopfschmerzen und Uebelkeit verursachen.
Bisher bin ich gerne mit China Eastern geflogen, doch jetzt mit diesen neuen Sitzen gefaellt es mir gar nicht mehr. Naechstesmal probiere ich eine andere Airline!
Irgendwie sitze ich aber immer dazwischen, ein fester Platz, der sicher zu mir gehoert, scheint nicht zu existieren. So bemuehe ich mich weiterhin darum, es mir zwischen den Stuehlen bequem zu machen.
Es gibt eine Sache in China, die ich nicht verstehen kann:
Seiten wie Facebook und Youtube werden schon seit einigen Jahren gesperrt, wahrscheinlich weil sie sonst die chinesischen User von Weibo, Kaixinwang, Youku und Tudou abziehen wuerden.
Inzwischen ist es sogar mit Proxy Server kaum noch moeglich auf Youtube und Facebook zu gelangen. Und ich bin mir sicher, dass das nichts mit Politik zu tun hat, sondern in erster Linie mit Wirtschaft. Die chinesischen Internet Seiten haetten naemlich kaum so einen Zulauf, wenn es moeglich waere in China Facebook und Youtube zu nutzen.
So ist das Angebot an fachbezogenen, professionellen Videos zumindest in den Sparten, die ich beurteilen kann, auf Tudou und Yukou sehr einseitig und mangelhaft und ausserdem schlecht organisiert. Kein Wunder, denn fuer Menschen, die nicht chinesisch lesen koennen, ist es kaum moeglich Videos hochzuladen. Die chinesischen Seiten gibt es nur auf Chinesisch. Daraus kann man schliessen, dass auslaendische Beitraege nicht erwuenscht sind.
Bei aller Sympathie zu China, muss ich hier mal sagen, dass ich dieses Verhalten als nicht sehr konstruktiv empfinde. Man verhindert so ja auch, dass sich die Menschen in China, die eigentlich aufgeschlossen und wissbegierig sind, entsprechend ihrer Faehigkeiten weiterentwickeln koennen.
Vorallem Kuenstler, Wissenschaftler und ganz besonders Musiker brauchen den internationalen Austausch! Nur wer sich frei informieren kann, kann auch seine eigene Kultur lieben und weiterentwickeln. Wer aber dazu gezwungen wird immer nur im eigenen Saft zu schwimmen, wird die eigene Kultur niemals wirklich zu schaetzen wissen, sondern bei der naechstbesten Gelegenheit das Erzwungene ueber Bord werfen und den fremden, neuen Einfluessen kritiklos hinterherlaufen.
Es ist auch eine Zumutung fuer erwachsene Menschen, sich auf diese Weise bevormunden lassen zu muessen. Als ob die Chinesen nicht selber beurteilen koennen, was fuer sie brauchbar, interessant und gut ist und was nicht! Immerhin sind ein grosser Teil der Chinesen bestens ausgebildet. Warum also, sollten sie nicht - genauso wie wir - in der Lage sein, sich selbst ein Urteil zu bilden? Aber man gibt ihnen ja noch nicht einmal eine Chance, dies zu lernen. Denn viel zu viel wird einfach weggesperrt.
Natuerlich wuensche ich, dass sich China wirtschaftlich weiterentwickelt und auf dem internationalen Markt eine gute Position bezieht. Aber ob ausgerechnet so eine Methode zum erwuenschten Ziel fuehrt, bezweifele ich sehr. In Deutschland gibt es ein Sprichwort: “zu was Gutem zwingt man einen nicht!” Wenn also Tudou, Youku, Kaixinwang ,Weibo und wie die chinesischen Seiten alle heissen, wirklich gut sind, werden die User auch freiwillig kommen. Da muss man nicht die Konkurrenz wegsperren.
Je unproduktiver ein Mensch ist, desto staerker das Beduerfniss nach Selbstbestaetigung. Selbstbestaetigung als Selbstzweck. Da moechte man dann doch lieber Tier sein. Die habens vielleicht einfacher. Zumindest wenn es um Selbstwert geht. Obwohl: auch meine dicke Katze leidet bisweilen unter Depressionen. Wenn ich ihre Zaertlichkeitsversuche auch nur einmal verweigere - dann verkriecht sie sich tagelang und kommt nur noch nachts zum Fressen, wenn sie weiss, dass wir sie nicht sehen. Was soll denn das? Die ist ja schlimmer als ich!
Kennt Ihr das? Ihr lebt jahrelang in derselben Stadt, geht dieselben Strecken und erledigt dieselben Dinge. Dann ploetzlich eines Tages - ihr wisst selbst nicht genau, warum - geratet Ihr an einen bisher nicht gekannten Ort.
So ist es mir diesen Sonntag gegangen. Ich wollte nur etwas “Luft schnappen”. Dabei entdeckte ich sogar eine kleine Kirche!
Manchmal bin ich einfach zu muede und schlafe noch vor dem Zaehneputzen auf dem Sofa ein, wo ich dann verfroren mitten in der Nacht erwache. Aus so einer Situation muss ich mich heraustrinken, wozu ich aber erstmal die Treppe hinunter in die Kueche schleiche, doch bevor ich meine geliebte und natuerlich schon halb geleerte Flasche mit australischem oder franzoesischem Rotwein an die Lippen setzen kann, ueberfaellt mich meine kleine weisse Katze, die Hunger hat und will, dass ich ihr einen Fisch koche. Bis dieser Fisch gegaart ist und ich ihn meiner Katze serviere, ist der Wein in der Flasche fast verschwunden und ich auf dem Kuechenstuhl kurzfristig eingenickt. Das Zaehneputzen spare ich mir unter diesen Umstaenden und auch das Treppe hochsteigen und schmeisse mich mit einer Decke auf das Sofa vor dem unteren Fernseher im Familienzimmer. Morgens wache ich auf, weil meine Schwiegermutter ins Badezimmer geht. Ich bin aber noch nicht wirklich wach und bei dem Versuch in der Kueche das Fruehstueck fuer meine Katzen zu machen - es sind zwei -, verschuette ich das gesamte Trockenfutter, denn morgens wollen meine Katzen zusaetzlich auch noch Trockenfutter und Wasser. Danach erwaerme ich die Milch fuer meine Schwiegermutter und schlafe nochmal eine Runde im Stehen vor der Mikrowelle. Der Weg ins Bett ist mir auch jetzt noch zu weit.
Und hier mein neues Gitarrenvideo. Besonders empfehlenswert fuer alle Menschen, die schon immer Freude am Autofahren hatten….
Das Fruehlingsfest begann fuer mich etwa eine Woche bevor meine Schwiegermutter zu uns kam. Meine Schwiegermutter kam am 15ten Januar, um einen Monat bei uns zu leben, damit ihre Haushaelterin Urlaub machen kann. Denn meine Schwiegermutter kann wegen einer Alzheimererkrankung nicht mehr alleine leben. Doch dank einem modernen sehr wirkungsvollen Medikament namens Alishen hat sich diese Krankheit seit den letzten drei Jahren kaum verschlimmert. Manchmal merkt man meiner Schwiegermutter ihre Krankheit kaum an, aber bisweilen kann es auch ziemlich anstrengend sein. Besonders bemerkenswert ist, dass sie ueberhaupt nicht alleine sein mag.
Es benoetigt also ein bischen Phantasie, um diesen Monat fuer alle Beteiligten ertraeglich zu gestalten und ich bin ganz stolz, wie gut es bisher gelaufen ist. Wir haben sogar schon richtig Spass zusammen gehabt, denn ich bin auf die Idee gekommen mit meiner Schwiegermutter Chinesisch zu lernen. Wir lesen zusammen einen Text und dann sprechen wir darueber. Sie erklaert mir die Worte, die ich sie frage und das kann sie noch ganz gut.
Am Freitag waren wir in einer wunderschoenen Tanzvorstellung: Jin Xing hat im Grand Theater ihr Stueck `Shanghai Tango` gezeigt. Obwohl ich mir dieses Stueck schon mindestens viermal angesehen habe, bin ich jedesmal von Neuem fasziniert und begeistert. Eine Kombination von Sinnlichkeit und emotionaler Tiefe und ganz besondere Musikalitaet zeichnen diese Choreographien aus. Es ist getanzte musikalische Interpretation.
Dieses Wochenende, am chinesischen Silvester, waren wir - wie fast jedes Jahr - in Ningbo, bei unseren Verwandten. Und das ist immer erfreulich, trotz eisiger Kaelte. Ausgerechnet am Fruehlingsfest sinken hier die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt! Ohne Heizung ist das richtig hart.
Seit einigen Jahren hat sich die Fahrt von Shanghai nach Ningbo von fast 500km auf 195 km verkuerzt, denn es gibt jetzt eine Bruecke ueber das Meer. Und mitten auf dem Meer gibt es einen Parkplatz. Den werden wir am Donnerstag ausprobieren, wenn wir meine Schwiegermutter, die ein paar Tage bei ihrer Schwester bleibt, wieder zurueck nach Shanghai holen. Typisch fuer so ein chinesisches Familientreffen ist das viele, liebevoll zubereitete Essen und der unglaubliche Krach, der dadurch entsteht, dass alle Menschen immer viel zu sagen haben und das am liebsten alle auf einmal. Besonders die Maenner schaffen es kaum einander zuzuhoeren, ohne auch selbst zu sprechen. Und dann ist es obligat, die Neujahrs Show im Fernsehen anzuschauen. Doch die ist teilweise etwas langweilig und ich bin da froh, dass es nebenbei auch noch die Moeglichkeit gibt, sich am Jiaoze machen zu beteiligen. Jiaoze sind die chinesischen Maultaschen, die man um Mitternacht an Silvester isst, bevor oder nachdem oder auch waehrend man das Feuerwerk entfacht und beobachtet.
Und am Neujahrs morgen gibt es dann: Tang Yuan! Wow! Leckere suesse Kugeln mit Fuellung. Leider habe ich heute diese Mahlzeit verschlafen und musste mich stattdessen vor dem Mittagessen um 12 Uhr in einem Costa Cafe mit einem Kaffee - Latte begnuegen. Das Mittagessen aber dafuer dann wieder mit der ganzen Familie, die aus Schwiegermutter,Tante, Onkel, Cousine und Cousin meines Mannes plus Familien besteht und die ich alle mag. Nun wieder zu Hause sitze ich ratlos vor dem Kuehlschrank, der ploetzlich viel zu klein ist. Denn meine Tante hat uns Taschenweise Fische, Huehner, Krebse, Krabben, gekochtes Rindfleisch, Bambus, Obst und noch allerlei sonstiges Gemuese mitgegeben. Wahrscheinlich reichen diese Vorraete bis in den Sommer!
Der Titel klingt spannend nach verrauchter Kneipe oder auch einsamer Mondnacht - je nach Bedarf. Das Stueck ist ueber 12 Minuten lang und erinnert musikalisch eher an Stravinsky als an Blues. Es gibt darin viele Lateinamerikanische Rhythmen und auch einen Swing. Aber Blues? Die letzte Skala im Stueck ist eine Bluesskala, aber das wars dann auch.
Das Stueck ist ausserdem - im Gegensatz zu einem Blues - komplett in Noten aufgeschrieben, wirft aber viele Fragen auf. Soll man nun die in Achtel notierten Laeufe als normale Achtel spielen oder als “Bluesachtel”? Der als “Samba” beschriftete Absatz klingt ueberhaupt nicht nach Samba - egal wie man sich auch bemueht. Warum also nennt der Komponist dieses Kapitel einen Samba?
Der einzige Interpret, der dieses Stueck bisher veroeffentlicht hat, heisst Ricardo Iznaola, ist ein Freund des Komponisten und hat offensichtlich mit dem Komponisten zusammengearbeitet. Das heisst, seine Interpretation ist vom Komponisten akzeptiert. Doch Ricardo Iznaola spielt die in Achtel notierten Melodien und Skalen ganz klassisch und gerade. Sogar extrem metronomisch und unromantisch. Ich wollte das anders machen. Aber bluesmaessig spiele auch ich es nicht. Denn offensichtlich war es ja vom Komponisten nicht bluesmaessig gemeint. Noch lebt Jorge Morel. Vielleicht ergibt sich noch eine Gelegenheit ihn zu fragen? Jedenfalls wuerde ich mich freuen, wenn dieses abwechslungsreiche und fantasievolle Stueck in Zukunft oefter gespielt werden wuerde. Es bietet viele Interpretationsmoeglichkeiten und gerade das macht es besonders interessant. Jeder Musiker wird es anders spielen!
(fuer meine Freunde in Shanghai habe ich es auch auf www.tudou.com veroeffentlicht)
Heute ist Mittwoch. Die letzten Mandarinen dieser Saison schauen aus der Waesche wie pockennarbige alte Weiber. Ich ess die nicht!! Damit Ihrs wisst: Haesslichkeit in dieser Form macht mir Angst. Ob diese Mutation eine Folge der Umweltverschmutzung ist?
Das erste Jahr ohne meinen Bruder, was immer wieder schmerzt.
Zugenommen oder abgenommen?
gleichgeblieben Haare länger oder kürzer?
eher kuerzer. Mehr Kohle oder weniger?
weniger, wegen der grossen Inflation in China. Mehr ausgegeben oder weniger?
mehr. Allein die Preise fuer die taeglichen Lebensmittel haben sich in diesem Jahr fast verdoppelt. Der hirnrissigste Plan?
eine Geschichte zum Thema “meine glueckliche Arbeitswelt” schreiben zu wollen. Die gefährlichste Unternehmung?
an der nahe gelegenen riesigen Strassenkreuzung auf den Bus zu warten. Mehr Sport oder weniger?
leider weniger, seitdem die Ballett Schule sehr weit weggezogen ist. Die teuerste Anschaffung?
mein neues Mac Book. Das leckerste Essen?
Tianmuhu Yutou: auf Deutsch: Tianmu - See Fischkopf Das beeindruckenste Buch?
Sabine Bode: Die vergessene Generation. Ein Buch ueber die Kriegskinder Generation. Das enttäuschendste Buch?
Pu Yi: ich war Kaiser von China Die beste CD?
Sting/Eden Karamazov: Songs from the Labyrinth Die meiste Zeit verbracht mit…?
in der U-Bahn stehen. Die schönste Zeit verbracht mit… ?
Gitarre spielen Vorherrschendes Gefühl 2011?
Traurigkeit 2011 zum ersten Mal getan?
Gleitschirm geflogen 2011 nach langer Zeit wieder getan?
DVD`s genossen 3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
da faellt mir komischerweise nichts ein. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Die Menschen sind heutzutage nicht gluecklicher oder ungluecklicher als zu anderen Zeiten. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
was genau ist ein “schoenstes Geschenk?” Das kommt doch darauf an, wie sehr sich jemand gefreut hat und nicht, was ich fuer das schoenste Geschenk halte… Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
der Flug mit dem Gleitschirm, den mir mein Schwager geschenkt hat. Die schönste neue Bekanntschaft, die ich gemacht habe?
dieses Jahr? Meine neue Haushaelterin! Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Das Bewusstsein veraendert die Realitaet. Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich glaube, Fukushima ist viel schlimmer als Tschernobyl. 2011 war mit 1 Wort…
traurig
Vorsätze für 2012?
mich nicht mehr so durchhaengen lassen.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Jahr 2011:
1.) Ich kann meine Realitaet beeinflussen, in dem ich meinen Blickwinkel veraendere.
3.) Die Deutschen sind eine traumatisierte Nation. Die psychischen Folgen der Nazizeit und der beiden Weltkriege spuert man auch heute noch.
2.) am energiesparendsten heizt man, in dem man die Temperatur tag - und nacht unveraendert gleich haelt - z.B. 18 Grad.
Es begann in Deutschland, als ich einen Tag zu frueh am Flugplatz war. Seitdem bin ich einige Male zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Heute zum Beispiel war die Ballettschule geschlossen und ich wusste nichts davon. Zum Trost habe ich mir dann noch was Leckeres zum Essen gekauft, was sich dann aber als Flopp entpuppt hat, denn die Ware war nicht so einwandtfrei wie ich sie brauche….
Und dann der Riesenaufwandt mit Logic Pro! Schon in Deutschland hat es mit einer Bestellung bei Gravis nicht geklappt und hier in Shanghai wurden mir falsche Hoffnungen gemacht, da ein Verkaeufer meinte, er koenne mir mein altes Logic Pro 8 auf dem neuen Mac Lion installieren. Ich wieder einen halben Tag in der U-Bahn und durch das Gedraenge der Stadt, doch dieser Verkaeufer war nicht mehr zu finden und alle anderen Apple Freaks behaupten, dass Apple diese guten Programme nur noch als Download anbietet. Na, Danke! Die haben wohl vergessen, dass es auch noch Menschen gibt, deren Internet Connection nicht mal so einfach 15 GB Software aus dem Netz saugen kann! Ich habe ja doppelte DSL Geschwindigkeit, doch nach zwei Tagen fast pausenlosem Downloaden, fehlen mir immer noch 8 GB Loops und Instrumente. Aber Logic funktioniert auch ohne all diese Dinge. Nur: ich musste trotzdem den vollen Preis bezahlen, auch wenn ich nicht alles runterladen kann. Fragt nicht, wie oft ich mich schon telefonisch bei der China Telecom gemeldet und beschwert habe! Doch die chinesische DSL Geschwindigkeit ist immer noch viel zu langsam.
Naja, wegen dieser Download Aktion habe ich gestern einen Arzt Termin verschlafen und einmal meine Schueler vergessen, die dann aber trotzdem - sozusagen als Ueberraschung - vor der Tuer standen. Und: sogar meine guten Vorsaetze fuers neue Jahr sind noch nicht gefasst. Da wird es ja wirklich Zeit! Bleiben noch drei Tage….
Seit Donnerstagabend habe ich hohes Fieber, also teilweise ueber 40 Grad.
Natuerlich weiss ich nicht, was meine Koerpertemperatur so in die Hoehe treibt, aber solange daraus keine Gehirnhautentzuendung wird, mache ich mir keine Sorgen, sondern schlafe.
Heute hat mein Mann angerufen, um sich zu erkundigen, wie es mir geht. Er ist gerade auf Dienstreise. Dummerweise habe ich ihm von meinem Fieber erzaehlt. Er war sehr erschrocken und wollte, dass ich sofort mit dem Taxi ins Krankenhaus fahre! Als ich nicht dazu bereit war, rief er meine Haushaelterin an, die am Wochenende nicht arbeitet und veranlasste, dass sie sofort kommt, um mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Damit hat er mich gezwungen nun doch ein fiebersenkendes Medikament zu nehmen. Denn ins Krankenhaus will ich auf keinen Fall! Meine Haushaelterin kam und hat fuer mich gekocht. “Du musst unbedingt essen, gestern hast Du gar nichts gegessen!” - Nein, wer krank ist, muss nichts essen. Und schon gar kein Fleisch!
In China behandelt man Fieber, in dem man fiebersenkende Mittel und Antibiotika gibt. Mein Mann, der glaubt, es sich nicht leisten zu koennen mal ein paar Tage krank zu sein, nimmt beim kleinsten Anzeichen einer Erkaeltung Medikamente. Hohes Fieber gilt als gefaehrlich und bereitet Angst. Immerhin gab es hier SARS!
Ich aber glaube, dass mir mein Fieber hilft das Immunsystem zu mobilisieren. Normalerweise will ich deswegen keine fiebersenkenden Medikamente nehmen.
Ich kenne niemanden, der an Fieber gestorben ist! Aber ich kenne Leute, die gegen diverse Antibiotika bereits immun sind.
Gestern habe ich mich auf den Heimweg gemacht. Die Rueckreise nach Shanghai ist eigentlich schon Routine. Morgens stresse ich mich ein bischen mit Kofferpacken, dann gehts auf den letzten Druecker zum Flughafen. Um halb zwei schliessen die Schalter fuers Check - In, ich bin normalerweise zwischen eins und halb zwei am Schalter.
Gestern erlebte ich eine Ueberraschung, denn als ich meiner Meinung nach puenktlich um 13.20 meinen Koffer einchecken wollte, waren die Schalter bereits geschlossen. An der Information erfuhr ich dann, dass sich die Abflugzeiten geaendert haben. Mein Flieger war bereits auf dem Abflug und ich zu spaet und musste umbuchen. Das sollte mich 235 Euro kosten. Natuerlich fragte ich, ob es nicht auch etwas billiger ginge, daraufhin verlangte die Frau am anderen Ende der Leitung, nach meiner Ticketnummer. Sie ueberlegte kurz, dann erklaerte sie mir, dass mein Ticket bereits fuer den 14ten Dezember ausgestellt sei und eine Umbuchung deswegen gar nicht notwendig. Heute war naemlich erst der 13te Dezember. Ich habe mich um einen Tag geirrt und war nicht eine Stunde zu spaet, sondern einen Tag zu frueh zum Flughafen gefahren.
Auch gut. Auf diese Weise habe ich mal wieder 235 Euro gespart! Deswegen beschloss ich, mir in der Naehe des Flughafens ein Hotel zu suchen. Nun sitze ich in dem super schicken und modernen Lindner Sport Hotel. Zum Abendessen gab es Gaensebrust mit Semmelknoedel und Rotwein. Das kann ich mir nun leisten, denn die Kosten fuer eine Umbuchung waeren noch viel hoeher gewesen.
ich habe zwei Anbieter ausprobiert: Base und Fonic.
Fonic bietet eine Tagesflatrate fuer 2.50 Euro. Es werden aber nur zehn Tage pro Monat berechnet, danach ist jeder weiterer Tag fuer diesen Monat kostenlos. Insgesamt kann ein Monat also nicht teurer als 25 Euro werden.
Bei Base muss man einen zwei Jahresvertrag abschliessen, der mindestens einen Monat aktiv sein muss. Dieser Monat kostet nur 20 Euro - wenn man dem LastschriftEinzugsverfahren zustimmt, ansonsten bei Ueberweisung und Barzahlung kostet es 21.50 Euro pro Monat.
Doch die Geschwindigkeit der beiden Anbieter ist sehr unterschiedlich. Waehrend man bei Base auf jede Seite minutenlang warten muss, kann man mit Fonic sehr schnell surfen. Meinem Gefuehl nach entspricht der Fonic Surf einer DSL Verbindung, waehrend Base hoechstens mit einer normalen Telefonleitung vergleichbar ist.
Und wie ist es mit dem Service? Der Nachteil bei Fonic ist, dass man immer ueber die Hotline telefonieren muss, wenn es Probleme gibt oder wenn man Fragen hat. Bei Base und eplus gibt es ueberall die bekannten kleinen Laeden mit meist freundlichem Personal. Doch auch die koennen das Netz von Base nicht schneller machen…
Wer mit meiner Mutter unterwegs ist, kann zumindest sicher sein, dass er nicht verhungert.
Zusaetzlich zu unserem eh schon recht umfangreichen Gepaeck gibt es einen Rucksack, der nur mit Essen fuer die Zugfahrt gefuellt ist: kaltes Mineralwasser, heiss Wasser in einer Thermosflasche, Apfelsaft, ausserdem fuer jeden ein gekochtes Ei und einen Apfel, Brot mit Butter und mit Kaese, eine Dose Cashewkerne, eine Packung Datteln, Muslischnitten, extra Kaese und extra Brot, Kaffee zum selbermachen und verschiedene Sorten Teebeutel. Dazu hat meine Mutter ein Taschenmesser, zwei Tassen, Servietten und sogar eine Seife gepackt. Ich habe in weiser Voraussicht in einem Grossraumwagen zwei Fensterplaetze an einem Tisch reserviert. Da sitzen wir nun, schauen hinaus in den Nebel und essen uns satt. Sehr gemuetlich.
Doch dann diese Nachricht: auf der Strecke vor uns brennt ein Zug! Unser Zug muss nun eine andere Strecke fahren und wird laenger brauchen. Mir ist das fast egal, denn ich bin sehr satt und spiele mit meinem Computer.
Die hier Schreibende Dame nennt sich Dievommond. Dievommond liebt es die Ereignisse so zu sehen wie sie sind, auch wenn das manchmal zu scheinbar widerspruechlichen Aussagen fuehrt.
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