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Der Hund

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diesen Hund habe ich bei einem Spaziergang über den Golfplatz entdeckt. Er haust hier fernab jeglicher Wohnung und ist sehr eng angebunden. Zuerst dachte ich: wer hält diesen wunderschönen Hund denn unter solch traurigen Bedingungen? Doch meine Nachforschungen ergaben folgende Geschichte:

einer unserer Guards hatte diesen Hund in einem Restaurant entdeckt als er gerade geschlachtet werden sollte. Der Guard, der selber nur sehr wenig verdient, hat den Hund für 800 RMB (das entspricht etwa einem Drittel seines Monatslohns) frei gekauft. Da der Guard von außerhalb kommt und selber in Shanghai keine Wohnung hat, hat er den Hund mit in unser Wohnviertel an seinen Arbeitsplatz gebracht. Sein Chef hat ihm dann erlaubt den Hund in dieser Hundehütte am Golfplatz unterzubringen. Allerdings fürchtet der Guard immer noch um das Leben des Hundes, da der Hund hier von den Golfbällen getroffen werden könnte. Deswegen ist die Leine so kurz.

Mich hat die Geschichte sehr berührt. Würde ich noch in Shanghai leben, würde ich gerne dem Guard helfen einen besseren Platz für seinen Hund zu finden. Doch leider bin ich nur einen Tag nachdem ich diesen Hund entdeckt habe, wieder zurück nach Deutschland geflogen.

Ich war diesmal nur etwa drei Wochen zu Besuch. Es war eine wunderschöne Reise mit vielen wichtigen und erfreulichen Begegnungen. Und sie hat mir auch deutlich gezeigt, wie schwer es all die Jahre für mich war in einer so widersprüchlichen und verworrenen Gesellschaft zu leben. Wo einerseits grausame und sehr ungerechte Dinge geschehen, aber es andererseits sehr viele edle und gutherzige Menschen gibt. Wo auf der einen Seite bitterste Armut herrscht und auf der anderen Seite viele Menschen extrem reich sind. Und wo es jede Menge Parallelgesellschaften gibt, aber die Menschen damit auf virtuose Weise zurecht kommen.

Ich liebe dieses Land und werde hoffentlich noch oft wieder kommen!

Für meine Zeit in Deutschland habe ich übrigens zwei neue Blogs geschaffen:

1.: Mein Leben im Hochparterre
2.: Das Stuttgarter Gitarrenstudio

Ich freue mich, wenn Ihr Lust habt dort weiter mitzulesen.

Eure Julia

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Auf der Suche nach Doujiang

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Das Heimweh hat gesiegt, ich bin wieder in Shanghai. Mein Lieblings Getränk dort war immer die heiße Sojamilch. Ich habe sie zu jeder Gelegenheit getrunken, nicht nur zum Frühstück, sondern jedesmal wenn ich auswärts etwas genießen wollte. Ich liebe Doujiang und auch die sehr gut dazu passenden Shui Jiao. Heute bin ich in die Stadt gefahren und habe einen Laden gesucht, der Dou Jiang verkauft. Dabei habe ich gemerkt, daß es die meisten solchen Läden nicht mehr gibt. Die Kette Young he da Wang hat Bankrott gemacht. Auch die anderen Läden, die ich sonst besucht habe, verkaufen keine DouJiang mehr. “Du kannst doch Milch stattdessen trinken ” rät mir ein Verkäufer. Endlich finde ich doch ein Shuijiao Restaurant, das auch Doujiang verkauft. Die Preise haben sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, die Portionen sind kleiner geworden, aber immerhin: ich genieße mein Lieblingsessen!

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Vom Friseur “vergewaltigt” oder: ein extrem unangenehmer Kulturunterschied

Vor ein paar Tagen war ich mal wieder beim Friseur. Der Laden, bei dem ich
schon seit einiger Zeit Stammkundin bin, ist sehr modern und groß, benutzt Marken wie Kerastase und Weleda und beschäftigt gut ausgebildete Friseure, die manchmal sogar Fortbildungen machen. Eigentlich wie in Europa könnte man denken. Doch dann passieren solche Sachen:

Ich sagte dem Friseur, daß ich diesselbe Farbe möchte, die ich bereits seit Jahren trage.
Er maulte und meinte, daß das aber langweilig wäre und ich auf diese Weise gar kein “Frischegefühl” hätte. Ich bestand aber weiterhin darauf, daß ich keine Veränderung möchte und er holte die Farbtabelle, um mich entscheiden zu lassen, wobei ich mich aber für meine alte Farbe entschied. Ich brauche gerade kein “Frischegefühl”, zumal ich “meine Farbe” sehr mag. Sie ist etwas heller als meine natürliche Farbe und wenn sie rauswächst, sieht es immer noch ganz gut aus.

Der Friseurgehilfe mischte die Farbe an, die Prozedur begann. Um angeblich meine sich vermehrenden grauen Haare abzudecken, wird die Fabe extra lange auf dem Kopf gelassen. Ich sitze fast zwei Stunden und werde allmählich schläfrig. Doch meine entspannte Müdigkeit wich einem Entsetzen, als dann das Ergebniss zutage trat. Der Friseur hatte meine Haare schwarz gefärbt! Wie gemein!

Schwarz paßt ja gar nicht zu mir, wo ich eine typische Brünette bin. Außerdem machen schwarze Haare älter, da dann der Kontrast zwischen kräftig leuchtendem Haar und angealterter Haut noch stärker zum Vorschein tritt. Ich war natürlich völlig überrascht, konnte zuerst nicht glauben was ich sah und als ich es schließlich begriffen hatte, bin ich ausgerastet. Und zwar richtig wild!

Daraufhin kam der Manager und viele andere Friseure zu mir. Der Manager entschuldigte sich und versprach das Problem innerhalb einer Stunde beseitigen zu können. Es war bereits zehn Uhr abends, der Laden fast leer, doch nun mußte man wegen mir Überstunden machen. Ein anderer Friseur und ein neuer Gehilfe pinselten Entfärbungscreme in mein Haar. Man wartete, schrubbte und rieb meine Haare und wartete wieder. Nach gefühlten zwei Stunden konnte dann endlich gespült werden. Doch leider mit nur sehr mäßigem Erfolg. Meine Haare sind größtenteils noch immer dunkelbraun bis schwarz, nur an einigen Stellen gibt es nun rötliche und braune Stellen. Ich fühle mich wie eine schwarz bunt gescheckte Katze! Abgesehen davon, daß bei der Prozedur meine Haare geschädigt wurden und nun viel kürzer sind als früher, wird es noch hässlicher aussehen, wenn es beginnt rauszuwachsen. Ich habe schon oft in China erlebt, daß die Haare wesentlich kürzer geschnitten werden als abgemacht. Doch daß ein Friseur mich absichtlich zu einer neuen Farbe zwingt ( und dann auch noch gleich schwarz!), weil er findet, daß ich ein neues Outfit brauche - was ich aber nicht will!! -, sowas ist mir in meinen 15 Jahren Shanghai noch nie passiert.

Ich war völlig deprimiert und am Boden zerstört. Am nächsten Tag haben mich dann zwei chinesische Freunde besucht. Ich wollte, daß sie mir helfen gegen diesen Friseur Anzeige zu erstatten. Doch sie meinen, solche Geschichten wären in China ganz normal und würden nicht bestraft werden! Das heißt, in China sei es normal und allgemein akzeptiert, daß die persönlichen Wünsche von Kunden nicht respektiert werden!

Ich habe mich inzwischen an den neu ins Leben gerufenen Verbraucherschutz gewandt. Mal sehen ob mir vielleicht doch noch geholfen wird! Wenigstens eine Entschädigung in Form von kostenlosen Haarkuren für mein geschädigtes Haar hätte ich gerne.

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Zu was Gutem muß man einen zwingen, oder: ich geh zurück

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Hätte mir jemand vor ein paar Monaten erzählt, daß ich demnächst nach Deutschland
umziehen werde, hätte ich es nicht geglaubt. Nach 15 Jahren Leben in Shanghai erschien es mir wie ein unentrinnbares Schiksal, hier für den Rest meines Lebens zu bleiben. Und mit diesem Schiksal war ich auch einverstanden, denn ich habe mich in Shanghai inzwischen sehr gut eingelebt.

Ich habe mir Shanghai nicht selber ausgesucht, sondern mich einfach meinem Schicksal gefügt, das mich nach Shanghai geschickt hat und zwar als Ehefrau eines chinesischen Managers.

Obwohl ich auch in Deutschland immer glücklich war mit meiner Musik, war ich es aber erstaunlicherweise auch in Shanghai - allerdings mit (anfänglich) nur wenig Musik und stattdessen viel Chinesisch. Und komischerweise war ich hier solange glücklich, wie ich mich auf Kultur und Sprache konzentriert habe. Doch als dann irgendwann die Musikerin in mir wieder zum Vorschein kam, verminderte sich nach und nach das Glück. Vielleicht aber habe ich mich auch wieder ans Gitarre spielen erinnert, weil alles andere allmählich den Reiz des Neuen verlor?

Diese Wende - vom euphorischen Kennenlernen bis zur Rückkehr zum Alltag begann schon nach etwa drei bis fünf Jahren, also sogar noch bevor ich mit diesem Blog begann.

Inzwischen ist für mich Deutschland exotischer und fremdartiger als Shanghai!

Nun wird es definitiv mal wieder Zeit den Ort zu wechseln. Aus verschiedenen Gründen habe ich mich entschlossen, erstmal einen wahrscheinlich etwas längeren
Zwischenstopp in Deutschland zu machen. Freunde haben mich gewarnt, daß ich nach 15 Jahren Shanghai wahrscheinlich große Schwierigkeiten haben werde, mich in Deutschland wieder einzuleben. Mal sehen. Vielleicht habe ich ja dann wieder mehr Lust zum Bloggen.

Ein neues Jahr beginnt, ein neues Leben beginnt und ich bin mittendrin als Akteurin, als
Entscheidungsfinderin und Gestalterin meines Lebens. Das ist eigentlich ein guter Job, oder?

Und so genieße ich mein Leben heimlich - ohne über all die Details zu berichten. Die vielen Reperaturen am Haus, der gestrige Taifun, die Abschiedstreffen mit Freunden und Kollegen, die riesigen Probleme mit denen unser Komitee zur Zeit konfrontiert ist und all die vielen anderen mehr oder weniger spannenden Ereignisse in meinem Leben. Sie bleiben erstmal unerzählt - zumindest zur Zeit…

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Männer

Ganz schön brisant. Zum Thema Männer fällt mir dann auch noch ein, daß fast jede Depression, die ich in den letzten Jahren hatte, durch unfreundliches Verhalten meines Mannes ausgelöst wurde und umgekehrt aber auch durch sein Verhalten beendet wurde. Meine Stimmung ist doch ziemlich abhängig von solchen Sachen.

Männer sind in China ein Thema für sich. Zum Beispiel Meiner. Meinen konnte ich heute endlich mal dazu überreden mit mir ins Fitness Studio auf die Laufmaschine zu gehen. Für nur eine Viertelstunde, aber immerhin. Ein Anfang ist gemacht.

Morgen ist dann erstmal Ruhe angesagt, denn morgen soll es Smog geben. Meistens dauert so eine Smog Phase ja länger als nur einen Tag. Wer weiß, wann wir das Nächstemal zusammen laufen können. Es gibt dann auch noch Dienstreisen und Kunden, mit denen man essen gehen muß.

“liebe Dich selbst und es ist egal wen Du heiratest” Eva Maria Zurhorst. Das Buch steht schon seit Jahren bei mir herum, aber ich habe noch nicht einmal hineingeguckt. Vielleicht sollte ich es endlich lesen? Das Buch ist ein Geschenk von einer guten Freundin. Sie hat mir sogar eine Widmung hineingeschrieben.

“Der einzig wahre Partner sind Sie selbst”. Naja, allerdings bin ich kein Mann. (Das sollte man wissen. )
Meine Katzen liegen gerade wie Zwillinge auf dem Sofa. Sie werden immer freundlicher je älter sie werden. Und wie ist das bei den Männern? Könnte doch auch so sein, oder?

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In unserem Wohnviertel gibt es einige Männer, die sich intensiv um die inneren Angelegenheiten kümmern. Ob der Nachbar Gemüse anpflanzt oder ein Hühnchen füttert, interessiert hier nicht nur die berüchtigten Klatschweiber, sondern auch so einige “gstandene Mannsbilder”. Glücklicherweise ist Meiner zu beschäftigt dafür! So haben auch die Dienstreisen und Geschäftsessen ihre guten Seiten.

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Vom Sterben und Leben

Meine Haushälterin hat mir heute erzählt, daß in den Nachrichten gesagt wurde,
daß inzwischen bei jedem dritten Menschen in Shanghai, der sich ärztlich untersuchen läßt, Kebs festgestellt wird.
Mir kommt das etwas übertrieben vor, allerdings kann ich nicht das Gegenteil beweisen, da tatsächlich die Krebserkrankungen in meinem Bekanntenkreis unglaublich zugenommen haben.

Ob das an der Luftverschmutzung liegt?

Es gibt ja auch die Meinung, daß Krebs eine psychische Erkrankung sei und auch in diesem Punkt kann ich nicht das Gegenteil beweisen.

Eines ist klar: wir wissen nie, wie lange wir noch zu leben haben. Trotzdem schaffen es die meisten Menschen nicht, aus dieser Erkenntniss irgendwelche Konsequenzen zu ziehen.

Ich habe heute meinen Tag damit verbracht in den Gruppen unseres Wohnviertels auf WeChat - mein Wohnviertel hat in WeChat mehrere Gruppendiskussionen - die sehr erhitzte Diskussion um die illegalen Anbauten in unserem Viertel zu verfolgen. Ehrlich gesagt, interessiert mich das Thema eigentlich gar nicht, aber als Mitglied des Owners Komitees bin ich fürs Enviroment zuständig und da gehören die Anbauten ja auch dazu.

Heute morgen haben zum Beispiel so ein paar übereifrige Nachbarn, die unbedingt alle neuen Anbauten verhindern wollen, die Polizei gerufen, um zwei andere Nachbarn an der “Renovierung” ihrer Häuser zu hindern. Es ging dabei offensichtlich hoch her. Es gibt hier tatsächlich Leute, die - obwohl sie selber ebenfalls Anbauten gemacht haben - wollen, daß alle neuen Mitbewohner keinerlei äußere Veränderungen an Haus und Garten vornehmen dürfen. Und - laut Wohnviertel - Gesetzbuch ist es ja tatsächlich auch illegal solche Anbauten zu machen und sei es nur ein Regendach vor der Garage.

Soviel Kleinkariertheit und Intoleranz erscheint mir fast wie eine psychische Krebserkrankung, aber die Kommunikation auf Wechat finde ich trotzdem faszinierend interessant. Es ist ja alles auf Chinesisch, aber weil mich solche Kommunikation interessiert, kann ich da ganz gut mitlesen. Manchmal beteilige ich mich auch mitschreibend, was dann nicht ganz so gut klappt. Und dann frage ich mich: Julia, hast Du nichts wichtigeres zu tun? Warum interessiert Dich das?!

WARUM spiele ich nicht einfach nur Gitarre, sondern will dauernd “im Leben herumschnuppern” ?! Ist das nicht die komplette “Zeitverschwendung”?!

Was, wenn ich vielleicht morgen sterbe? Bereue ich es dann, so meinen letzten Tag vertrödelt zu haben?

Eines jedenfalls habe ich nicht bereut: Vor einer Woche haben mich die Eltern meiner jüngsten Schülerin mit in das Rolling Stoneskonzert geschleppt. BOAH!!!!!

YEAHH!! Hey, ist dieser Mick Jagger aber gut drauf! und das mit mindestens etwa 70 Jahren! Und auch Keith Richards, Charlie Watts and Ronnie Wood - eine Gruppe mit viel Energie, Elan und guter Musik! Und jetzt gerade habe ich gelesen, daß die Australien Tour, die heute begonnen hätte, abgesagt werden mußte, weil Mick Jaggers Freundin die Hollywood Designerin L’Wren Scott gestorben ist. Näheres dazu findet Ihr auf der offiziellen Webseite oder auf der Fanpage auf Facebook.

Und ich zeige Euch jetzt noch meinen persönlichen Mini Film mit den für mich ganz besonderen Höhepunkten des Konzertes in der Mercedes Benz Arena in Shanghai:

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Ich werde weiterschreiben….oder um was geht es in diesem Blog….

vor vielen Jahren, als das Leben in Shanghai für mich gerade angefangen hatte an Attraktivität zu verlieren und sich sozusagen mein Shanghai - Honeymoon langsam zu einem Shanghai - normal - Leben entwickelte, begann ich diesen Blog zu schreiben. Zuerst auf Blogspot und als Blogspot dann in China gesperrt wurde, mit eigener Domain.

Ich habe Shanghai-Megabreit als so eine Art öffentliches Tagebuch angelegt, weil ich glaube, daß ich nur über Dinge schreiben kann, die ich wirklich selber erlebe.

Ich weiß es gehört Mut dazu über persönliche Erfahrungen zu schreiben und dann auch gleich noch im Internet. Nebenbeibemerkt ist das tatsächlich auch der Grund, warum ich immer weniger schreibe. Was ich schreibe hat nämlich Auswirkungen. Es gibt sehr viele Chinesen, auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, die gut deutsch lesen können und hier manchmal mitlesen. Als ich zum Beispiel vor ein paar Jahren über unsere Ballett Schule geschrieben habe, wurde das sofort im Unterricht kommentiert!

So fühle ich mich nicht wirklich frei und die wahrscheinlich interessantesten Dinge, schreibe ich dann doch lieber nicht. Eigentlich schade.

Was ist nun überhaupt ein Blog? Für mich ist ein Blog - im Gegensatz zum Buch - eine Art Sammelhafen für Gedankenschnipsel. Gute Blogschreiber schreiben täglich mindestens einmal und meistens bestehen die einzelnen Postings nur aus wenigen Zeilen. So ähnlich wie die Statements auf Facebook. Und damit man bei den vielen Postings nicht den Überblick verliert, werden sie in Kategorien eingeteilt. Und jeder Blog hat ein Thema. Das Thema dieses Blogs ist zum Beispiel: das Leben einer westlichen Frau, die mit einem Chinesen verheiratet ist und in Shanghai als Gitarristin lebt.

Und jetzt werde ich mich weiter auf WeChatt mit meinen chinesischen Nachbarn unterhalten und dann Gitarre üben. Bei dem Chat mit meinen Nachbarn geht es gerade hoch her. Es geht zum Beispiel um Themen wie und ob wir hier im Wohnviertel Gemüse anpflanzen dürfen oder nicht. Die Mehrheit der Chinesen ist gegen Gemüse im eigenen Garten, weil das angeblich häßlich aussieht (“wie auf nem Bauernhof!”), ich verteidige das Gemüse……

liebe Grüße an alle meine treuen Blogleser, die trotz der zur Zeit seltenen Artikel immer noch hier vorbeischauen!

Eure Julia

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Schlechte Luft in Shanghai: was hat das mit dem neuen Jahr zu tun?

Dieses Jahr, in dem Jahresrückblicke ganz besonders gefragt sind, wenn sie der Aufforderung von Meike Winnemuth entsprechen und sich auf das Ende des zukünftigen Jahres beziehen, endet für uns Menschen in China - und in Shanghai ganz besonders - mit der schauerlichen Erkenntnis, daß wir in extrem verschmutzter Luft leben.

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Ich glaube, es war noch nie so schlimm wie dieses Jahr. Heute scheint die Sonne, der Himmel ist blau - doch die Luftwerte sind mies: der AQI (air quality index) ist 262, die Menge an Feinstaub liegt bei PM 2,5 = 212mg/m3.

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Bei so einer Luft sollte man sich möglichst nicht im Freien aufhalten und schon gar nicht Sport treiben. Doch wer schafft denn das - angesichts des blauen Himmels? So machte ich meinen Einkaufsspaziergang nach Xin Qiao, trug allerdings einen Mundschutz ( - zumindest zeitweise). Doch ich begegnete niemandem auf der Straße, der Mundschutz trug! Die Menschen ignorieren diese Luft Werte und die Kinder, die gerade Ferien haben spielen im Stadtpark. Was soll man auch machen: ob so ein Mundschutz wirklich hilft, ist sehr fragwürdig. An irgendeiner Stelle ist der immer undicht.

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Ich jedenfalls habe nun trotz Mundschutz ein Kratzen in den Bronchen und ziemlich starke Kopfschmerzen. Daß meine Beschwerden keine Einbildung sind, kann man auch daran sehen, daß zum Beispiel meine Haushälterin und andere Menschen in meiner Umgebung ähnliche Beschwerden haben. Wir leiden nun schon seid mindestens zwei Monaten. Während dieser Zeit waren die Werte ununterbrochen extrem hoch, nur einmal, als es geregnet hatte, sanken sie für ein paar Stunden in den Bereich des nur noch “ unhealthy for sensitive persons”. Gesunde Luft haben wir schon wochenlang nicht mehr.
Und ich weiß, das diese Tatsache auch Ende 2014 noch nicht vergessen sein wird. Im besten Fall werden unsere Beschwerden sich noch eine zeitlang hinziehen, bevor sie in ernsthaftere Krankheiten übergehen. So werden sich viele Menschen noch jahrelang an diese Luftverschmutzung unfreiwillig erinnern müssen.

Die Frage ist: Was kann man denn machen, um die Luft wieder sauber zu kriegen? Ich bin mir sicher, daß sich die chinesischen Regierung darüber den Kopf zerbricht. Doch ist es leider nicht so einfach. Wer kann eine intelligente und wirkungsvolle Strategie entwickeln, um diese wahnsinnige Umweltverschmutzung zu stoppen?

Wie kann man nur so eine Riesenaufgabe bewältigen? Manchmal träume ich davon wie schön es wäre, wenn es in China mal ein paar Wochen Ferien für alle Autos und Fabriken gäbe. Wenn mal alles gestoppt würde, was die Luft verschmutzt! Und wenn es auch nur für ein paar Tage während des Frühlingsfestes wäre, - es würde diesem Land, den Menschen und der Natur sehr gut tun. Alle würden zu Hause bleiben und - anstatt geschäftig hin und her zu wuseln - miteinander sprechen und Karten spielen. Man würde erstmal seine Vorräte aufbrauchen und wer doch mal einkaufen muß, geht zu Fuß oder fährt, so wie früher, Fahrrad. Wie schön wäre es dann in Shanghai! Wir könnten auf den Hochstraßen spazieren gehen und die Luft würde ganz schnell besser werden. Von so einer Produktionspause würde China nicht wieder arm werden. Trotzdem braucht es langfristig natürlich andere Lösungen.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß im Jahr 2014 Lösungen für diese Probleme gefunden werden und die Menschen in China und Shanghai nicht erst krank werden müssen, bevor sich was ändert!

Und - um nun die Frage nach meinen persönlichen Plänen für 2014 zu beantworten: mein Leben ist sehr eng mit der Entwicklung in China verbunden. Ich lebe sehr gerne hier und würde am liebsten noch lange weiter in Shanghai bleiben, guten Gitarrenunterricht geben und selber spielen, mit den netten Frauen aus unserem Viertel abends tanzen und in dem Komitee mitarbeiten. Doch waren die letzten Wochen wegen der hohen Luftverschmutzung so schrecklich, daß nicht nur ich, sondern auch viele Eltern meiner Schüler überlegen, ob man nicht doch woanders hinziehen sollte.

Ich wünsche allen Menschen aus tiefstem Herzen gute Luft!
In diesem Sinn: happy new year.

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Der Luftverschmutzungs Stress in Shanghai

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Inzwischen ist es schon fast ein “Hobby” von mir, die stündlich aktualisierten Luftverschmutzungswerte von meinem Handy abzulesen. Draussen ist es grau, man soll nicht ins Freie gehen, denn die Feinstaubbelastung liegt mal wieder bei über PM 2,5 = 400. Werte, die in Europa undenkbar sind.

Die Richtlinien in Europa sind relativ streng. PM 2,5 = >40 ist dort schon ein Grund, Maßnahmen zu ergreifen, wie zum Beispiel den Verkehr zu reduzieren.

Wir in Shanghai dagegen leiden hier schon seit Wochen unter bis zu mehr als zehnmal höheren Werten, doch außer der Anweisung möglichst Bewegung im Freien zu vermeiden, passiert hier nichts. Die langen Lasttransporter verstopfen weiterhin die Straßenkreuzung vor unserem Haus. Ich habe manchmal das Gefühl, daß der Autoverkehr hier täglich zunimmt. Der Balkon meines Arbeitszimmers muß mehrmals die Woche gründlich geputzt werden. Nach jedem Regen bedeckt schwarzer Sand die Fliessen. Leider regnet es zur Zeit nicht. Die Sonne kann man aber auch nicht sehen. Smog eben.

Obwohl wir dauernd gesagt kriegen, daß derartig schlechte Luftwerte für jeden Menschen - auch für die gesunden, starken! - gefährlich sind und die gesamte Bevölkerung mit ernsthaften Gesundheitsschäden zu rechnen habe, dürfen die Autos weiterfahren, die Fabriken weiter produzieren und die Baustellen weiterbauen.

Das versteh ich nicht.

Ich bin echt gespannt, wieviele Ausländer deswegen China verlassen werden.

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Vom Hochwasser und seinen Nebenwirkungen

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Glück scheint unter anderem auch eine Frage des passenden Zeitmanagements zu sein.

Eine entsprechende Erfahrung war da für mich das Hochwasser nach einem Taifun, das mich drei Tage alleine in unserer Wohnung gefangen hielt. Leider auch ohne Strom und Internet, aber es war trotzdem genial.

Inzwischen ist hier schon längst wieder die Normalität zurückgekehrt und damit leider auch der Stress.

Hier ein kleiner Rueckblick:

8.10.2013
Ich sitze im Dunkeln. Es ist gerade mal 18.00, aber bereits dunkel und wir werden die ganze Nacht über keinen Strom und auch kein Internet haben. Draußen höre ich die Stimmen einiger Männer, die versuchen durch das Hochwasser zu waten bezw. mit dem Fahrrad zu fahren. Ich konnte den ganzen Tag das Haus nicht verlassen, denn nach zwei Tagen Dauerwolkenbruch lebe ich in einem See. Alle Straßen und unser gesamter Garten stehen unter Wasser. Dabei haben wir ja noch Glück, denn ein paar Ecken weiter sind die Garagen und teilweise das gesamte Erdgeschoß bis fast unter die Decke vollgelaufen. Der letzte Bus verließ um 17.30 unser Viertel mit all denen, die die Nacht lieber woanders verbringen. Ich bin geblieben und zwar alleine. Mein Mann ist in Deutschland und meine Ai konnte heute ebenfalls ihr Haus nicht verlassen. Das Wasser hält uns gefangen. Witzigerweise empfinde ich so allein im dunklen Haus eine gewisse Freude. Es ist mal eine spannende Abwechslung und ich war schon immer aufgeschlossen für Abenteuer. Meine beiden Katzen sind ja oft alleine ohne Licht in der Nacht. Gerade habe ich gemerkt, daß das Wasser nun auch zu uns ins Haus fließt. Erstmal nur in die Garage. Aber es steigt immer weiter! Meine liebe Schneli scheint das Besondere der Situation nun doch zu merken, denn sie ist auf meinen Schoß gekommen und kuschelt sich an mich. Ach, warum soll es uns besser gehen als unseren Nachbarn?

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Obwohl es aufgehört hat zu regnen, steigt das Wasser immer höher. Unsere Garage und der Waschmaschinen Raum sind schon voll. In der Ferne höre ich dauernd Blaulicht Fahrzeuge. Das Wasser gluckst und sickert überall hin . Die Garage und alles was drin steht - und das ist viel - ist kaputt. Hoffentlich bleibt es dabei. Und die Batterie meines Handys geht sehr schnell zu Ende. Ab dann werde ich keine Kommunikations Möglichkeit mehr haben. Wie lang hält eigentlich die Batterie einer Taschenlampe? Ich muß lernen sparsam zu sein. Während des Nachdenkens kann ich Batterie sparen. Nachdenken kann man auch im Dunkeln.

Gitarre üben eigentlich auch. Aber wegen des steigenden Wassers bin ich nicht so wirklich bei der Sache. Ich will nicht, daß unser Haus kaputt geht. Im Chattraum unseres Viertels sucht man immer nach einem Schuldigen, denn niemand kann sich vorstellen, daß so was nur vom Regen kommen kann. Man schimpft auf das neue Management, das angeblich versagt hat. Aber hat es das wirklich? Wenn ein ganzer Stadtteil in Ausnahmezustand gerät, macht es da Sinn einen Verantwortlichen zu suchen, den es wahrscheinlich gar nicht gibt? Ich würde so gerne unbegrenzt ins Internet, aber meine Batterie zwingt mich zur Disziplin .

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Wenn das eigene Haus voll mit Wasser läuft, passiert es, daß man seinen sicher empfundenen Ort als sehr unbeständig und unsicher erlebt. Es gibt ihn dann fast nicht mehr und die Relativität von materiellem Besitz wird plötzlich sehr sichtbar.

Und jetzt fängt es schon wieder an zu regnen. Das darf doch nicht wahr sein! Nein, das macht jetzt keinen Spaß mehr. Wir sind nicht so reich, daß wir ständig unser Haus neu renovieren können. Abgesehen davon, daß ich auch den wochenlangen Baulärm hasse. Bleib draußen, Du blödes Wasser! Please! Ich brauche doch kein Abenteuer mehr. Es reicht schon jetzt. Noch mehr davon macht keinen Spaß mehr.

Ist es witzig, wenn man abends ahnungslos ins Bett geht und dann morgens im Hochwasser aufwacht? Nein, das ist scheußlich.

Andererseits ist es im Moment äußerst romantisch. Es ist dunkel und still. Ich sitze im zweiten Stock und habe die Balkontür aufgemacht. Nicht einmal Flugzeuge fliegen heute und ich fühle mich wie auf dem Land. Nur das Wasser macht seine Geräusche und auch der Regen, der mal stärker und dann wieder schwächer wird oder ganz verschwindet. Da es weder Strom noch Internet gibt, verbringe ich den Abend mit mir alleine. Nicht einmal Gitarre spielen will ich, denn diese ungewöhnliche Ruhe ist viel schöner als jede Musik. Es ist so friedlich und groß. Ein unvergesslicher und wunderschöner Abend! Ich fühle mich trotz des steigenden Wassers ungewöhnlich geborgen. Zusammen mit der geliebten Natur. Die weiß schon wo’s lang geht. Früher konnten die Menschen wahrscheinlich fast täglich so eine Nacht genießen. Wir dagegen erleben diese Ruhe äußerst selten.

9.10.2013
So. Heute beginnt ein neuer Tag. Das Wasser ist etwas gesunken , aber immer noch sehr hoch. Unser Haus steht in einem See. Die Batterie meines Handys ist fast aus, aber ich habe entdeckt, daß ich mit einem alten Telefon, das keinen Strom braucht, immer noch über die normale Telefonleitung telefonieren kann. Das habe ich gemerkt, weil mich meine Nachbarn überredet haben mit dem deutschen Konsulat Kontakt aufzunehmen und um Hilfe zu bitten. Haha! Was sollen denn die helfen?

Eines ist mir jetzt allerdings klar geworden. Ich bin eine leidenschaftliche Nichtstuerin. So macht es mir Freude einfach nur dazusitzen und auf all die interessanten Geräusche zu hören, die an mein Ohr dringen. Ich höre immer wieder wie Menschen versuchen durch das Wasser zu waten. Und ich höre am Verkehrslärm, das offensichtlich außerhalb unseres Viertels das normale Leben wieder zurückkehrt. Nur wir sind davon noch weit entfernt. Zwei meiner Draußen Katzen haben auf dem Dach unseres Heizungshäuschens überlebt und es geschafft heute morgen auf dem winzigen Trockenteil vor unserer Balkontür um Futter anzufragen. Natürlich haben sie was bekommen, auch wenn ich eigentlich meinem Mann versprochen habe die “Wildkatzen ” nicht mehr zu füttern. Aber heute ging einfach nicht anders!

Irgendwann werde ich mir eine kurze Hose anziehen und versuchen durch das Wasser zu waten, um mir die anderen Teile unseres Viertels anzusehen. Das Wasser sieht allerdings sehr dreckig aus und ich habe Sorge auf irgendwelche ertrunkene Tiere zu treten. Die Sonne scheint durch den grauen Himmel und sagt mir, daß sich unser Zustand wahrscheinlich bald normalisieren wird.

Gestern schrieb mir ein chinesischer Freund auf WeChat: wenn Du nicht raus kannst, dann kannst Du ja dafür umso besser Gitarre üben. Leider nein. Genau das kann ich nicht. Ich bin nähmlich ein neugieriger und auch sehr abenteuerlustiger Mensch und an so einer unfreiwilligen “Abwechslung” in meinem Leben doch sehr interessiert. Ich beschäftige mich dann hauptsächlich mit Beobachten und kommunizieren und hebe mir die Gitarre lieber für mein Normalleben auf. Denn momentan gibt es spannenderes. Bei Sonnenschein sieht dieses Hochwasser ja auch sehr schön aus. Nur Mücken gibt es jetzt anscheinend noch mehr als jemals zuvor. Meine Beine jucken wie die Hölle! Eigentlich sollte ich zum Schwimmbad waten und mal schauen wie das jetzt aussieht. Vielleicht kann man noch drin schwimmen? Ich glaube aber eher nicht, denn sicher hat sich das Kloakenwasser mit dem Schwimmbad Wasser vermischt. Dann wird wohl für diese Saison das Wasser verdorben sein. Für die Zukunft weiß ich: ich werde hohe Gummistiefel, einen Tauchanzug und ein Schlauchboot kaufen. Beim nächstenmal Hochwasser bin ich dann beweglicher und kann mit dem Boot durch die Straßen fahren.

Ich finde es sehr richtig, daß wir von Mutter Natur sprechen, aber vom Vater Staat. Das zeugt von Sprachgefühl ! Wer Mutter Natur so stark fühlt wie es bei so einem Naturereigniss als positive Nebenwirkung passiert, der weiß wovon ich spreche. Es ist die Liebe, die diese Mutter Natur ausstrahlt, diese unbedingte Ruhe und allumfassende Kraft, die mich dann so ein Hochwasser doch auch genießen läßt. Vater Staat dagegen, das sind die kleinlichen Ansichten der Menschen. Da gibt es richtig und falsch und nützlich oder unnütz. Daß es bei uns Menschen aber geschlechterübergreifend sowohl bei Frauen als auch bei Männern Menschen gibt, die mehr die Lieber der Natur fühlen und andere, die mehr “Vater Staat” Ansichten vertreten ist auch okay. Hat eben doch nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Auch interessant zu beobachten waren die teilweise sehr aufgebrachten Kommentare auf Weibo. Da möchte ich wirklich kein Mitarbeiter des Managements sein! Denn die werden beschimpft, als ob sie die Ursache allen Übels wären. Dabei können die wahrscheinlich gar nichts dafür und haben schon ihr bestes getan um uns das Leben zu erleichtern und diese Situation schnell zu beenden.

10.10.2013
Heute ist bereits der dritte Tag, an dem ich in meiner Wohnung von Hochwasser gefangen bin. Ich habe die zweite Nacht ohne Strom hinter mir, die ich allerdings sehr gut überstanden habe. Gestern Abend habe ich im Dunkeln zwei, drei Stunden Gitarre gespielt und dann auch noch Gymnastik gemacht. Gymnastik muß sein, da ich ja sonst keinerlei Bewegung habe. Diese Dunkelheit abends ist eigentlich schön. Ich habe mich sehr gut entspannt und viel besser geschlafen als sonst. Heute morgen, nach dem Aufwachen um sechs, bin ich erstmal vor die Haustür , um nach dem Wasser zu sehen. Es ist nun schon stark gesunken. Wenn ich Gummistiefel hätte, könnte ich bereits wieder draußen rumlaufen. Mein iPad hat noch 61% Strom. Mein Computer müsste etwa auch soviel haben, ich habe ihn schon seit zwei Tagen nicht mehr eingeschaltet. Taschenlampe habe ich auch noch. Rein theoretisch reicht das auch noch für eine dritte Nacht. Nur mit dem Essen könnte es heute etwas knapp werden. Aber Äpfel sind noch jede Menge da. Heute ist Donnerstag. Seit Montag bin ich nur noch drinnen. Montag war den ganzen Tag Wolkenbruch. Ab Dienstag war Hochwasser. Aber schon davor war ich eine Woche fast ausschließlich zu Hause. Es waren die Oktoberferien und wegen der vielen Menschen, die da unterwegs waren, bin ich lieber zu Hause geblieben. Schon seit Wochen habe ich nicht mehr regelmäßig Ballett gemacht. Hoffentlich kann ich das bald wieder.

P.S.: hier habe ich nicht mehr weiter geschrieben. Ich muss an die tagelangen Aufräumarbeiten denken und das Chaos, das nach dieser Überschwemmung hier zu sehen war. Wir hatten eigentlich viel Glück, denn es hätte ja noch viel schlimmer kommen können, doch trotzdem war der materielle Schaden enorm.

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Beim Warten

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nach der Theateraufführung meiner Schülerin in der amerikanischen Schule (Puxi), habe ich mit vielen anderen auf die Schauspieler gewartet, die sich erst noch abschminken und umziehen mußten.

Die Erwachsenen saßen und wer keinen der wenigen Sitzgelegenheiten ergattert hat, trat von einem Bein aufs andere. Manche unterhielten sich, manche schauten sich das Treiben in dem Monitor an, manche fummelten an ihren Handys. Die kleinen Jungen dagegen rannten pausenlos die Treppen rauf und runter und stoppten die Zeit, die sie brauchten, um um das Gebäude zu rennen. Ach, wie gerne hätte ich da mitgemacht! Doch ich bin ja inzwischen eine 50 zig jährige Frau. Wer kommt schon auf die Idee, daß auch Fünfzig jährige - und dazu auch noch Frauen! - viel lieber herumtoben als herumsitzen würden? Zumal ja schon die feingekleideten jungen Teenager - Damen offensichtlich lieber in der bewegungslosen Erwachsenen Welt agieren. Jedenfalls gab es gestern an dieser American School kein einziges Mädchen, das mit den Buben zusammen rumgetobt hat. Die jungen Mädchen taten so als ob sie erwachsen wären und ich beschäftigte mich schließlich damit mir vorzustellen, wie diese jungen Damen wohl 20-30 Jahre später aussehen würden. Das Ergebniss war deprimierend.

Ich scheine mit meiner Bewegungslust eine seltene Ausnahme zu sein. Und ich leide darunter, daß während solcher Wartezeiten niemand auf die Idee kommt mit mir zu spielen oder zu tanzen oder zum Beispiel ein Wettrennen mit mir zu machen. Dabei bin ich gar nicht langsam und Rad schlagen geht auch noch! Wie doof ist doch so ein Erwachsenenleben. Da wird stundenlang nur herumgesessen und über völlig uninteressante Dinge gesprochen.

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Shanghai erster Platz bei Pisa Studie?

http://youtu.be/WEX-lolGPyM

Das ist ja interessant. Meine fleissigen und übernächtigten chinesischen Schüler sind ganz oben bei Pisa. Und was sagt da Gerald Hüther dazu?

Bitte nehmt Euch die Zeit und schaut Euch dieses Video an! Es ist das Beste, was ich bis jetzt zum Thema Schule gehört habe!

Vielen Dank von mir an Richard David Precht und Gerald Hüther.

http://youtu.be/WEX-lolGPyM

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Einfach nur eine lästige Angewohnheit?

Heute möchte ich erzählen, daß ich seit einem halben Jahr, genau genommen seit dem 15.September 2012, BiGu praktiziere.
Was ist BiGu?
BiGu kommt aus dem Chinesischen und ist die Abkürzung von: Bimian Guliang, was auf deutsch heißt: vermeide Getreide. Dieses BiGu ist ein chinesisches Heilfasten und soll alle möglichen schweren Krankheiten heilen können, zum Beispiel auch Krebs. Durch das Vermeiden von: jeglicher Art tierischen Eiweißes, Zucker, Alkohol, Kaffee, Getreide und aller industriell bearbeiteten Nahrung wird der PH - Wert im Körper erhöht und zwar so sehr, daß nach und nach alle Krankheiten verschwinden.

Gegessen wird Obst, Gemüse und auch rohe (unbearbeitete) Nüsse. Getrunken vorallem Wasser und Kräuter Tee. Ausserdem versucht man möglichst wenig zu essen, also nicht gierig zu sein, sondern sich darauf zu verlassen, daß die Energie aus dem Kosmos einen (mit-)ernährt.

Die ersten zwei Monate meiner Fastenzeit waren schwierig. Ich hatte immer wieder schlechte Laune, weil ich so gerne Brot gegessen hätte oder Kaffee getrunken, u.s.w.. In den ersten beiden Monaten habe ich auch 3 Kilo abenommen. Doch dann - was für ein Wunder! - habe ich - trotz dieser strengen Diät wieder solange zugenommen bis mein Normalgewicht erreicht war. Seitdem nehme ich weder ab noch zu - egal ob ich viel oder wenig esse. Ich spüre normalerweise kein Verlangen mehr nach Brot, Kaffee oder anderen Produkten, die ich beschlossen habe nicht mehr zu essen. Und schon gar nicht nach Fleisch! Eine sehr interessante Erfahrung, die mich vermuten läßt, daß Essen wahrscheinlich nichts anderes ist, als so eine Art Angewohnheit wie zum Beispiel das Rauchen. Man kann es sich zumindest auch halbwegs abgewöhnen. Bitte jetzt nicht laut schreien! Ich habe wirklich keinerlei Mangelerscheinungen. Meine Blutwerte, die kürzlich gemessen wurden, sind ausgezeichnet und ich kann auch noch wunderbar Tanzen und Joggen. Es gibt offensichtlich keinen Muskelschwund, wenn man auf Fleisch und Co verzichtet.

Warum ich das heute erzähle? Gestern habe ich ein ziemlich beeindruckendes Video über den Fleisch Konsum angeschaut. Deswegen möchte ich hier alle Menschen, die noch zweifeln, ob sie auf Fleisch verzichten können, ermutigen es zu versuchen. Wem es sehr schwer fällt, der kann ja einen Kompromiss machen und erstmal den Fleischkonsum reduzieren. Es ist nur am Anfang schwierig, doch nach ein paar Wochen gewöhnt sich der Körper an so eine Ernährungsumstellung und dann vermisst man nichts mehr.

Und weil es hier gerade reinpasst, noch ein Hinweis auf ein ganz besonderes Seminar, das ab Morgen kostenlos im Internet besucht werden kann. Deepak Chopra bietet für alle Interessierten einen dreiwöchigen Meditations Kurs an. Ich habe ein wunderbares Buch von Deepak Chopra gelesen: SynchroDestiny (engl.) und freue mich sehr darauf, von diesem Menschen lernen zu dürfen. Wenn Ihr neugierig geworden seit, könnt Ihr Euch hier anmelden und selber mitmachen.

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Oben Ohne

Ist es schon Zeit Bilanz zu ziehen?

Jedenfalls hat hier gerade ein neues chinesisches Jahr begonnen. Es ist sehr angenehm das Jahr im Frühling beginnen zu lassen! Die Temperaturen steigen und mit den Temperaturen auch die Hoffnungen.

Nun, auf was hoffe ich eigentlich? Ist die Fähigkeit zu hoffen eigentlich auch schon Liebe?

Alles Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen.

Die Überschrift zu diesem Blogbeitrag habe ich übrigens unserem gemeinsamen Buch entnommen: Oben Ohne. In diesem Buch gibt es eine Geschichte von mir zu lesen. Der Herausgeber: Wenyue Ding ist ein Chinese, der in Deutschland lebt und neben seinem Blog auch schon ein Kinderbuch in deutscher Sprache geschrieben hat.

Und, - damit mein Beitrag hier auch noch einen musikalischen Aspekt gewinnt -,hier noch ein Gitarrenstueck: Cafe Moliendo. Ich benutze das Arrangement von meinem italienischen Kollegen und Facebook Freund Giuseppe Torrisi, der die Noten vieler seiner hübschen Arrangements auf der Webseite Guitarfreescores.com kostenlos zum Download anbietet. Sowas nennt man “to use your talent to serve other people”, was mich dazu veranlasst, meinen heutigen Beitrag mit einem Zitat von Deepak Chopra zu beenden:

“Everyone has a dharma or purpose in life. By expressing our unique talents and using them to serve others, we will experience unlimited love, abundance, and true fulfillment in our lives.” Deepak Chopra

Deepak Chopra bietet übrigens einen kostenlosen Workshop für Meditation im Internet an. Die Meditations Challenge beginnt am 11. March und dauert drei Wochen. Jeder Interessierte kann sich hier anmelden und mitmachen.

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Eine der Schattenseiten unserer Auswanderung….

Weil ich unglücklicherweise meine Emails der letzten drei Jahre gelöscht habe, bin ich auf einige alte Mails aus dem Jahr 2000 gestossen.

Zu den meisten Menschen, mit denen ich damals guten Kontakt hatte, ist der Kontakt inzwischen abgebrochen oder sehr selten geworden. Teilweise ist es die Entfernung, teilweise sicher auch meine Tendenz in Krisenzeiten lieber nicht zu schreiben…keine Ahnung. Ich habe in diesen 13 Jahren ganz vergessen, wieviele Mails ich damals am Anfang unserer Shanghaier Zeit mit meinen Freunden aus Deutschland gewechselt habe. Und wie schwer es ist, über 13 Jahre Abwesenheit in Kontakt zu bleiben. Denn meine Reisen nach Deutschland sind ja meistens so kurz, daß ich kaum mal Zeit habe, alte Freunde zu treffen.

Unter diesen verlorengegangenen Kontakten ist auch ein sehr, sehr guter und wichtiger Freund. Wir, also mein Mann, dieser Freund und ich, waren früher in Deutschland ein tolles Trio und haben sehr gerne und viel gemeinsam unternommen.

Im ersten Jahr hat mir dieser Freund noch oft geschrieben, aber ich offensichtlich nur sehr selten geantwortet. Dann irgendwann gab es keine Mails mehr und nun kann ich seinen Namen in keinem deutschen Telefonbuch mehr finden - und ich habe gesucht! Vielleicht ist er ja zurück nach Vietnam gegangen. Wie sollen mein Mann und ich ihn jemals wiederfinden? Dieser liebe Mensch war sehr wichtig für uns. Nun weiß ich nicht einmal mehr, ob er noch lebt.

Das ist eine Schattenseite unserer Auswanderung. Und da gibt es noch mehr.

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Das chinesische Krankenhaus

krankenhaus

Zur Zeit lebe ich im Krankenhaus. Allerdings nicht als Patientin,sondern als Angehörige eines Kranken.

In China läßt man die Kranken nicht alleine im Krankenhaus, sondern rund um die Uhr, also auch nachts, wachen die Familienangehörigen am Bett des Kranken und leisten Pflegedienste. Natürlich kann man sich für Geld (etwa 200RMB pro Tag) eine professionelle Pflegekraft bezahlen, die dann Hilfe bei den Arbeiten leistet, die man sich selbst nicht zutraut. Doch diese Pflegerinnen betreuen viele Patienten auf mal und erwarten, daß die Angehörigen zumindest da sind und “aufpassen”. Wer nur eine kleine Familie hat, muß sich dann eben für den Krankenhausaufenthalt seines Nächsten Urlaub nehmen und selbst mit im Krankenhaus wohnen. Ich habe hier niemanden, der mich ablösen kann und bin schon seit mehreren Tagen hier. Dafür habe ich allerdings auch ein Bett mit im Krankenzimmer bekommen. Wer sich aber nur “Holzklasse” leisten kann, bekommt kein Bett, sondern schläft im Sitzen. Die “erste Klasse” Patienten zahlen in China wahrscheinlich noch mehr als in Deutschland, genießen dafür aber ein Einzelzimmer mit einem zweitem Bett für die Angehörigen.

Wir sind im Zhongshan Krankenhaus , was in Shanghai für seine guten Ärzte bekannt ist. Weil die Ärzte hier gut sein sollen, ist es aber auch eine Massenveranstaltung mit mehr als zehn großen Gebäuden. Unten bei der Anmeldung tümmeln sich unglaubliche Mengen an Menschen. Man wird erstmal geschubst und gestoßen und von recht unfreundlichen, gestreßten Schwestern “behandelt”. Da es in China nicht üblich ist Privatpraxen zu besuchen, gehen die Menschen wegen jeder Kleinigkeit ins Krankenhaus. Wer erkältet ist, Zahnschmerzen hat oder eine neue Brille braucht - für jeden Arztbesuch geht man ins Krankenhaus. Dort besteht aber kaum die Möglichkeit jedesmal zum selben Arzt zu gehen. Man ist eine Nummer und wird zu einer Nummer geschickt. Jede weitere Untersuchung erfordert das Wandern von einer Station zur anderen. Für alles muß man sich erneut anstellen und in die Menschenmenge begeben. Möchte man zum Beispiel einen Ultraschall machen, wird man zur Ultraschallstation geschickt. Dort gibt es mehrere Zimmer mit Geräten. Vor jedem Zimmer drängt sich eine lange und müde Menschenschlange. Während der eine Patient noch untersucht wird, zieht der nächste Patient schon seine Kleider aus und manchmal ist dann auch noch jemand da, der noch seine Kleider wieder anzieht. Die Türen stehen alle offen, Privatsphäre gibt es nicht.

Diesmal sind wir aber nicht ambulant hier, sondern für eine große Operation . Das Krankenzimmer ist in einem anderen Gebäude als der Operationssaal. Die Patienten, die zur Operation gefahren werden, werden mit den ambulanten Menschenmassen in den überfüllten Liften transportiert. Ich dränge mich mit den Ärzten und meinem Patienten durch die langen Gänge. Schließlich, im Operationsgebäude angelangt, wird es leer und dann darf ich nicht mehr mitkommen und wandere alleine zurück. Ich muß im Krankenzimmer warten. Aber ich warte nicht alleine. Es gibt noch zwei Freunde, die mit dabei sind. Nocheinmal muß ich zurück in das Operationsgebäude um zu unterschreiben, daß ich einverstanden bin, daß mein Mann eine Narkose bekommt. Nach langen zwei Stunden werde ich dann gefragt, ob ich die herausoperierten Körperteile anschauen will. Klar will ich das! Bin dann aber auch wirklich überrascht, wieviel da auf dem Teller liegt. Ein großer Hund könnte sich satt davon essen. Ach ja, zuerst hat man mir ja die falschen Innereien gezeigt. Einen Lungenkrebs von einem anderen Patienten. Glücklicherweise habe ich den Irrtum bemerkt. Wir haben nämlich keinen Lungenkrebs.

Okay, die Krankenstation für erste Klasse ist wenigstens einigermaßen ruhig. Nur 14 Patienten gibt es auf unserer Station. Die Krankenschwestern und Pflegerinnen sind hier auch freundlicher und das Zimmer ist groß. Und heute am vierten Tag geht alles schon viel, viel besser…..

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Ein unterhaltsamer Arbeitsplatz..

Heute beziehe ich mich auf den Post “Vom Bloggen, Social-Media-Aktivitäten und dem Problem mit der Zeit”im Kulturbeutel von Christoph Deeg.
Christoph Deeg beklagt sich dort über Zeitmangel und fragt sich wie es wohl so andere Blogger mit den “kreativen Pausen” halten.

Schön, dass er Bloggen mit Arbeiten auf diesselbe Stufe stellt! Das motiviert mich, hier wieder mehr zu schreiben: bloggen als Beruf. Das wär doch mal was - wenn auch nicht unbedingt fuer mich.

Beim Lesen des Artikels von Christoph Deeg und auch von seinem Kommentator Martin Kramer, freue ich mich einfach, weil ich sehe: andere “bewerten” ihre Internet Aktivitaeten höher als ich es bisher tat. Facebook ist “Arbeit”, bloggen sowieso und Diskussionen in diversen Foren laufen ab jetzt unter notwendiger “Netzwerkpflege”. Na, dann bin ich ja auch ziemlich fleissig….

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Die neue U-Bahn

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Endlich ist es soweit: worauf hier viele Menschen schon lange gewartet haben ist endlich eingetroffen: Xin Qiao hat eine U-Bahn! Die Station ist allerdings nicht wie zuerst geplant am alten Bahnhof. Nein, es wurde ein neuer Bahnhof gebaut und zwar in einem Gebiet, in dem bisher die aermeren Menschen aus XinQiao gelebt haben.

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Der Weg war bis vor Kurzem ein schlammiger Pfad, nun ist er provisorisch asphaltiert, die alten Haeuser stehen zwar noch, aber ich koennte wetten, dass sie demnaechst renoviert werden - zumindest die, die von der neuen Strasse zur U-Bahnstation aus gesehen werden koennen.

Der Weg von meinem Haus zur U-Bahn dauert - wenn ich den Hinterausgang benutze etwa eine Viertelstunde bis zwanzig Minuten. Ich kann entweder an der neuen Schule vorbeigehen oder einen kleinen Umweg machen und am Flussufer laufen, was natuerlich schoener ist.

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Bisher faehrt diese U-Bahn nur selten. Sie ist noch in der Testphase. Doch in ein bis zwei Monaten wird sie regelmaessig und oefter fahren. Gestern habe ich die Beamten an der Infostation gefragt, ob diese U-Bahn auch noch abends bis etwa zwoelf Uhr in Betrieb sein wird. Darauf sagten sie mir, dass Chinesen abends schlafen muessen und kein Nachtleben haben, so wie wir Auslaender. Deswegen ist es kaum moeglich, dass unsere neue U-Bahn auch noch nach zehn Uhr abends fahren wird.

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Be careful of eating ice cream in Shanghai

wie heute in der Shanghaidaily zu lesen war, wurden bei den Marken Cold Stone, Dairy Queen, Andersen’s of Denmark and Baskin Robbins im Eis alarmierend viele Bakterien gefunden. Es handelt sich um sogenannte Coliform Bakterien.

Schade, wo gerade zu dieser Jahreszeit das Eisessen besonders viel Spass macht!

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Der wichtigste Grund, warum ich kaum noch hier schreibe, ist die Tatsache, dass ich mir ja doch meistens nicht getraue oeffentlich ueber das zu schreiben, was mich wirklich bewegt.
Und diese Angst vor Veroeffentlichung hat mit der chinesischen Internetzensur gar nichts zu tun. Es ist die Zensur, die ich mir selber auferlege.

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Ich sollte hier mal die Sau rauslassen und der Welt erzaehlen wie sich das Leben fuer mich gerade wirklich anfuehlt. Doch das kann ich nicht. Mein Leben besteht aus lauter nicht erzaehlten Geschichten!

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Der Tag danach

Ich bin gestern zu Hause geblieben, habe Wind und Regen durch die Glasscheiben beobachtet und bin nur manchmal kurz auf den Balkon, um die Abflussloecher zu entstopfen. Die waren naemlich wegen der vielen Zweige und Blaetter dauernd verstopft, so dass das Regenwasser drohte ins Zimmer zu fliessen.

Ausserdem habe ich mich genervt, denn bei uns war Hochbetrieb, da mein Mann kurzfristig seinen Arbeitsplatz in unser Wohnzimmer verlegt hatte. Seine Firma, die in Jinshan nahe der Kueste steht, musste natuerlich schliessen. So sind einige Leute zu uns nach Hause gekommen, um wenigstens etwas arbeiten zu koennen. Ich habe entsprechend kurzfristig mal als Sekretaerin fungiert und meinen Drucker zur Verfuegung gestellt. Bin halt vielseitig begabt. SEUFZ.

Heute scheint die Sonne. Noch weht ein manchmal kraeftiger Wind, doch der Spuk ist vorbei. In unserem Garten hat der Taifun den kleinen Bambuswald ruiniert und drei Tannen umgeschmissen.

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Shanghai wird heute wieder arbeiten und das Leben wird weitergehen. Leider nicht fuer alle, denn es gab auch Tote und Verletzte als gestern der Taifun ueber uns hinwegbrauste. Gluecklicherweise konnte dieser Taifun gut vorbereitet werden, sonst waeren die Schaeden wohl viel schlimmer gewesen.

Schon zwei Tage vorher wurden alle Bauarbeiten an hohen Gerüsten niedergelegt und unstabile Bauwerke abgesperrt oder befestigt. Etwa 374 000 Menschen in Shanghai, die in Kuestennaehe wohnen, wurden evakuiert und in oeffentlichen Gebaeuden untergebracht. Waere der Taifun nun plötzlich woanders vorbeigezogen, waere der Aufwandt umsonst gewesen. Auch das passiert ja manchmal. Doch diesmal kam er wirklich, hat Baeume entwurzelt, Strassen unter Wasser gesetzt und alles, was nicht niet und nagelfest war, fortgerissen.

Aus Sicherheitsgründen wurden fast alle Flüge und Zuege von und nach Shanghai gestrichen, der Hafen gesperrt, die Sommerschulen geschlossen, die Autobahnen gesperrt und die Menschen angewiesen zu Hause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu gehen. Entsprechend hatten auch viele Firmen geschlossen. Eine genaue Auflistung der Massnahmen und - leider trotzdem - entstandenen Schaeden koennt Ihr in der Shanghai Daily finden. http://www.shanghaidaily.com/nsp/National/2012/08/09/2%2Bmillion%2Bon%2Bthe%2Bmove%2Bas%2BHaikui%2Bmakes%2Blandfall/

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Mein Leben ist ein Kontrastprogramm

das muss ich hier mal loswerden. Waehrend einige Menschen mich angeblich beneiden weil mein Leben so schoen abwechslungsreich und aufregend sei - “da wirds Dir wenigstens nicht langweilig” - freue ich mich immer, wenn ich mal eine kurze Zeit lang ohne Stoerung sein darf. Aber ohne Stoerung scheint es bei mir nicht zu klappen und deswegen werde ich mich heute hier zum Trotz nur auf die Dinge konzentrieren, die mir Freude machen.

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Neben dem chinesischen Altweiber Tanz geniesse ich Begegnungen mit Nachbarinnen wie dieser hier, die taeglich mit ihren zwei Hunden und mindestens drei Katzen in unserem Wohnviertel spazieren geht. Unglaublich suess wie die Katzen freiwillig - also ohne Leine! - mit marschieren! Als ich diese Gruppe das Erstemal sah, habe ich dreimal hinschauen muessen, weil ich es kaum glauben konnte, dass es so etwas gibt. Nun sehe ich sie jeden Tag und freue mich darueber sehr.

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Es regnet und regnet……

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Ich weiss nicht, warum ich mich seelisch immer so ausgehungert fuehle, dass ich herumlungere wie ein Strassenkoeter. Egal, was ich mache, nichts hilft. Auch nicht die Gitarre. Woher kommt denn nur mein geistiger Dauerhunger?

Auf jeden Fall schuettet es inzwischen schon seit etwa vier Stunden. Ein Ende ist nicht in Sicht. Es ist fuer mich nicht moeglich das Haus zu verlassen, es sei denn ich will mich komplett durch-duschen lassen. Will ich aber nicht. Nicht mal meine Ai konnte heute zum Arbeiten kommen. Ich hab mir aus einer Konservendose und einer Tomate selbst ein ganz passables Mittagessen gezaubert.

SCHOEN! Schade, dass ich mit dieser Tastatur keine Umlaute schreiben kann. Sonst waere es noch schoener. Je unruhiger der Mensch, desto besser so ein Regenwetter. Fuer mich ist es nahezu optimal.

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Diesen Sommer in Shanghai

Wie die Zeit vergeht. Nein, nicht in Shanghai, sondern in Songjiang. Natuerlich ist das ein Unterschied. Komm, dann siehst Du es.

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Meine kleinen Freundinnen, die vorigen Sommer noch richtige Kinder waren und mit mir um die Wette geschwommen sind, sehen nun aus wie junge Ladies und treffen sich abends mit Jungs. Den Jungs scheint das etwas peinlich zu sein, den Maedchen gar nicht.
Man spielt erwachsen und ich merke, wie schnell die Zeit vergeht. Es ist bereits die mindestens zweite Generation von Kindern, die ich hier in Shanghai erwachsen werden sehe. Kinder, die als ich hier ankam, gerade mal die erste Klasse besuchten sind nun schon zwanzig jaehrige Studenten und die damals Neugeborenen befinden sich heute mitten in der Pubertaet. Ich will lieber gar nicht wissen wie alt ich nun bin im Vergleich zu frueher.

Meine kleine Schneeli wird auch immer aelter und manchmal macht sie ein zerknautschtes Gesicht und hat dann fast soviele Falten wie ein alter Mensch. Und ich mache einen Mittagsschlaf. Was solls. Es sind Ferien und heiss ist es auch.

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Vielleicht schlendere ich gleich zum Clubhaus zum “Alt Frauen Tanz”. Da treffen sich taeglich ein paar meiner Nachbarinnen. Typisch Chinesisch. Manchmal wird der Kasettenrecorder draussen hingestellt und dann tanzt man auf der Strasse oder auf dem Tennisplatz. Doch im Sommer ist es zu heiss fuer draussen. Ballett mache ich auch noch.

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Die abendlichen Tanzgruppen

Der Sommer ist inzwischen schwuel, feucht und heiss angekommen und macht mich etwas faul.

Doch noch immer schlendere ich abends durch die Strassen von Xin Qiao und erfreue mich an den vielen Tanzgruppen, die sich auf der Strasse, auf Gehwegen und in Einfahrten treffen, um gemeinsam Sport zu treiben. Die Maenner machen das anscheinend genauso gern wie die Frauen. Dafuer mag ich die chinesischen Maenner!

Und noch ein paar kleine Updates:

das Konzert, das eigentlich am Mittwoch den 13ten stattfinden sollte, wird stattdessen am Mittwoch den 20.6. gespielt. Uhrzeit und Ort haben sich nicht geaendert. Und naechsten Sonntag (17.6.) um 17.00 Uhr ist Schuelervorspiel.

Ausserdem habe ich heute einen wahrscheinlich ziemlich heimtueckischen Lebensmittel Vergiftungs Skandal ueberlebt, in dem ich die Katastrophe schon beim ersten Bissen bemerkt habe. Dieser erste Bissen war allerdings so ekelhaft, dass ich ihn jetzt noch nachschmecke und mein Mund, mein Rachen und alles sich immer noch pelzig anfuehlt. Tja, Glueck muss man haben und wach sein. Es sollte fuer mich heute nicht heissen: “friss oder stirb”, sondern “friss nicht, sonst stirbst Du”….Und ich habe nicht gefressen…..

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Rueckschritte…..

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Rueckschritt wird oft als Fortschritt verkauft. Ein Beispiel sind die kleinen Fernseher in den Shanghaier Taxis, die nicht nur die Augen und Nerven der Fahrgaeste ruinieren, sondern auch eine Gehirnwaesche sind, da sie vorallem Werbung ausstrahlen. Wer waehrend so einer Fahrt in diesen Fernseh Taxis ein bischen relaxen moechte, wird sich wahrscheinlich schwer tun.

Nun hat auch die Fluggesellschaft China Eastern ihre neuen Sitze mit Bildschirmen ausgeruestet. Gedacht, um dem Passagier bessere Unterhaltung zu bieten, erregen diese Fernseher doch vorallem Unmut. Um diesen Bildschirm benutzen zu koennen, musste die sowieso knappe Bewegungsfreiheit in der sehr engen Oekoklasse noch mehr eingeschraenkt werden. Wer seine Rueckenlehne nach hinten stellen moechte, wird merken, dass dies kaum noch moeglich ist. Menschen, die bei einem Langstreckenflug - zumal nachts - das Beduerfniss haben zu schlafen, muessen aufrechtsitzend vor sich hinleiden und werden ausserdem noch von dem Fernsehgeblinker des Nebensitzers genervt. Man sitzt auf engstem Raum und starrt auf einen etwa 25cm entfernten Movie. Doch auch der spannendste Film wird in dieser Naehe Kopfschmerzen und Uebelkeit verursachen.

Bisher bin ich gerne mit China Eastern geflogen, doch jetzt mit diesen neuen Sitzen gefaellt es mir gar nicht mehr. Naechstesmal probiere ich eine andere Airline!

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Zwischen den Stuehlen

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sitzt es sich oft ungemuetlich.

Irgendwie sitze ich aber immer dazwischen, ein fester Platz, der sicher zu mir gehoert, scheint nicht zu existieren. So bemuehe ich mich weiterhin darum, es mir zwischen den Stuehlen bequem zu machen.

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Ueber den Umgang mit der Konkurrenz im Internet: Beispiel China

Es gibt eine Sache in China, die ich nicht verstehen kann:

Seiten wie Facebook und Youtube werden schon seit einigen Jahren gesperrt, wahrscheinlich weil sie sonst die chinesischen User von Weibo, Kaixinwang, Youku und Tudou abziehen wuerden.

Inzwischen ist es sogar mit Proxy Server kaum noch moeglich auf Youtube und Facebook zu gelangen. Und ich bin mir sicher, dass das nichts mit Politik zu tun hat, sondern in erster Linie mit Wirtschaft. Die chinesischen Internet Seiten haetten naemlich kaum so einen Zulauf, wenn es moeglich waere in China Facebook und Youtube zu nutzen.

So ist das Angebot an fachbezogenen, professionellen Videos zumindest in den Sparten, die ich beurteilen kann, auf Tudou und Yukou sehr einseitig und mangelhaft und ausserdem schlecht organisiert. Kein Wunder, denn fuer Menschen, die nicht chinesisch lesen koennen, ist es kaum moeglich Videos hochzuladen. Die chinesischen Seiten gibt es nur auf Chinesisch. Daraus kann man schliessen, dass auslaendische Beitraege nicht erwuenscht sind.

Bei aller Sympathie zu China, muss ich hier mal sagen, dass ich dieses Verhalten als nicht sehr konstruktiv empfinde. Man verhindert so ja auch, dass sich die Menschen in China, die eigentlich aufgeschlossen und wissbegierig sind, entsprechend ihrer Faehigkeiten weiterentwickeln koennen.

Vorallem Kuenstler, Wissenschaftler und ganz besonders Musiker brauchen den internationalen Austausch! Nur wer sich frei informieren kann, kann auch seine eigene Kultur lieben und weiterentwickeln. Wer aber dazu gezwungen wird immer nur im eigenen Saft zu schwimmen, wird die eigene Kultur niemals wirklich zu schaetzen wissen, sondern bei der naechstbesten Gelegenheit das Erzwungene ueber Bord werfen und den fremden, neuen Einfluessen kritiklos hinterherlaufen.

Es ist auch eine Zumutung fuer erwachsene Menschen, sich auf diese Weise bevormunden lassen zu muessen. Als ob die Chinesen nicht selber beurteilen koennen, was fuer sie brauchbar, interessant und gut ist und was nicht! Immerhin sind ein grosser Teil der Chinesen bestens ausgebildet. Warum also, sollten sie nicht - genauso wie wir - in der Lage sein, sich selbst ein Urteil zu bilden? Aber man gibt ihnen ja noch nicht einmal eine Chance, dies zu lernen. Denn viel zu viel wird einfach weggesperrt.

Natuerlich wuensche ich, dass sich China wirtschaftlich weiterentwickelt und auf dem internationalen Markt eine gute Position bezieht. Aber ob ausgerechnet so eine Methode zum erwuenschten Ziel fuehrt, bezweifele ich sehr. In Deutschland gibt es ein Sprichwort: “zu was Gutem zwingt man einen nicht!” Wenn also Tudou, Youku, Kaixinwang ,Weibo und wie die chinesischen Seiten alle heissen, wirklich gut sind, werden die User auch freiwillig kommen. Da muss man nicht die Konkurrenz wegsperren.

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Maulwurf

Je unproduktiver ein Mensch ist, desto staerker das Beduerfniss nach Selbstbestaetigung. Selbstbestaetigung als Selbstzweck. Da moechte man dann doch lieber Tier sein. Die habens vielleicht einfacher. Zumindest wenn es um Selbstwert geht. Obwohl: auch meine dicke Katze leidet bisweilen unter Depressionen. Wenn ich ihre Zaertlichkeitsversuche auch nur einmal verweigere - dann verkriecht sie sich tagelang und kommt nur noch nachts zum Fressen, wenn sie weiss, dass wir sie nicht sehen. Was soll denn das? Die ist ja schlimmer als ich!

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Ein unbekannter Ort

Kennt Ihr das? Ihr lebt jahrelang in derselben Stadt, geht dieselben Strecken und erledigt dieselben Dinge. Dann ploetzlich eines Tages - ihr wisst selbst nicht genau, warum - geratet Ihr an einen bisher nicht gekannten Ort.

So ist es mir diesen Sonntag gegangen. Ich wollte nur etwas “Luft schnappen”. Dabei entdeckte ich sogar eine kleine Kirche!

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