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Ueber den Umgang mit der Konkurrenz im Internet: Beispiel China

Es gibt eine Sache in China, die ich nicht verstehen kann:

Seiten wie Facebook und Youtube werden schon seit einigen Jahren gesperrt, wahrscheinlich weil sie sonst die chinesischen User von Weibo, Kaixinwang, Youku und Tudou abziehen wuerden.

Inzwischen ist es sogar mit Proxy Server kaum noch moeglich auf Youtube und Facebook zu gelangen. Und ich bin mir sicher, dass das nichts mit Politik zu tun hat, sondern in erster Linie mit Wirtschaft. Die chinesischen Internet Seiten haetten naemlich kaum so einen Zulauf, wenn es moeglich waere in China Facebook und Youtube zu nutzen.

So ist das Angebot an fachbezogenen, professionellen Videos zumindest in den Sparten, die ich beurteilen kann, auf Tudou und Yukou sehr einseitig und mangelhaft und ausserdem schlecht organisiert. Kein Wunder, denn fuer Menschen, die nicht chinesisch lesen koennen, ist es kaum moeglich Videos hochzuladen. Die chinesischen Seiten gibt es nur auf Chinesisch. Daraus kann man schliessen, dass auslaendische Beitraege nicht erwuenscht sind.

Bei aller Sympathie zu China, muss ich hier mal sagen, dass ich dieses Verhalten als nicht sehr konstruktiv empfinde. Man verhindert so ja auch, dass sich die Menschen in China, die eigentlich aufgeschlossen und wissbegierig sind, entsprechend ihrer Faehigkeiten weiterentwickeln koennen.

Vorallem Kuenstler, Wissenschaftler und ganz besonders Musiker brauchen den internationalen Austausch! Nur wer sich frei informieren kann, kann auch seine eigene Kultur lieben und weiterentwickeln. Wer aber dazu gezwungen wird immer nur im eigenen Saft zu schwimmen, wird die eigene Kultur niemals wirklich zu schaetzen wissen, sondern bei der naechstbesten Gelegenheit das Erzwungene ueber Bord werfen und den fremden, neuen Einfluessen kritiklos hinterherlaufen.

Es ist auch eine Zumutung fuer erwachsene Menschen, sich auf diese Weise bevormunden lassen zu muessen. Als ob die Chinesen nicht selber beurteilen koennen, was fuer sie brauchbar, interessant und gut ist und was nicht! Immerhin sind ein grosser Teil der Chinesen bestens ausgebildet. Warum also, sollten sie nicht - genauso wie wir - in der Lage sein, sich selbst ein Urteil zu bilden? Aber man gibt ihnen ja noch nicht einmal eine Chance, dies zu lernen. Denn viel zu viel wird einfach weggesperrt.

Natuerlich wuensche ich, dass sich China wirtschaftlich weiterentwickelt und auf dem internationalen Markt eine gute Position bezieht. Aber ob ausgerechnet so eine Methode zum erwuenschten Ziel fuehrt, bezweifele ich sehr. In Deutschland gibt es ein Sprichwort: “zu was Gutem zwingt man einen nicht!” Wenn also Tudou, Youku, Kaixinwang ,Weibo und wie die chinesischen Seiten alle heissen, wirklich gut sind, werden die User auch freiwillig kommen. Da muss man nicht die Konkurrenz wegsperren.

Posted in Auslaender, China spezial, Computer und Internet, Freiheit, Konflikte, Kulturunterschiede, Politik.

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5 Responses

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  1. Michael Schwägerl says

    Hallo,
    das ist aber sehr naiv gedacht, dass das sperren von Internetseiten in China etwas mit der Konkurrenz zu tun hat. Wird das so in China argumentiert? Das ist eine Lüge und nichts weiter! Das sperren der Internetseiten hat einfach und politische, menschenrechtliche und religiöse Gründe. Es ist doch bekannt, das China eine Diktatur ist und von den Kommunisten regiert wird. Jegliche Abweichung des Regimes sei es gedanklich, sprachlich oder auch als Handlung wird bestraft, sei es durch Filterung (siehe Internet), oder Bestrafungen die ins Gefängnis und sogar in die Arbeitslager, oder sogar bis in die chinesischen Konzentrationslager führen - ich möche hier an der Stelle auf den Bericht “Blutige Ernte” hinweisen von David Matas und David Kilgour, ein Bericht über Organraub in China in den chinesischen Konzentrationslagern.
    Youtube, Wikipedia, ja sogar die Suchmaschine google, facebook usw usw. all diese Seiten enthalten Informationen über Verbrechen der Kommunistischen Partei Chinas, über Falun Gong, über Tibet, über die Minderheit der Uiguren, über die Untergrund-Kirche bzw. die Untergrund-Christen in China, und andere demokratische Informationen, die die kommunistische Führung in China gar nicht gerne hat. Eine Zensur ist somit unausweichlich für die chinesische Regierung. Doch es gibt Hoffnung, das eines Tages die kommunistische Partei in China zusammenbrechen wird.

  2. Dievommond says

    nein, niemand in China behauptet, dass die Seiten wegen der Konkurrenz gesperrt werden. Das ist meine persoenliche Meinung, die sonst - soviel ich weiss - niemand mit mir teilt. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass ich richtig liege. Ich lebe hier sehr lange und habe meine Beobachtungen gemacht. Sie dagegen waren offensichtlich noch nie in China und lesen Informationen aus den Jahren der Kulturrevolution. Die ist nun aber schon lange vorbei und in China hat sich in jeder Hinsicht viel geaendert. Sie sollten lieber modernere Buecher lesen oder am besten hier mal selbst ein paar Jahre leben. Aber auch das wuerde in Ihrem Fall wahrscheinlich nicht viel helfen, denn sie koennen leider kein Chinesisch und Ihre Vorurteile sitzen offensichtlich so tief, dass man da wahrscheinlich eh nichts mehr machen kann. Fuer dieses Leben sind Sie schon zu alt.

  3. Michael Schwägerl says

    Naja, ich bin seit über 10 Jahren mit einer Chinesin aus Shanghai verheiratet. Wir leben in Deutschland. Meine Frau ist unter anderem Menschenrechtsaktivistin. Ihre Behauptungen haben weder Gehalt noch Halt. Aber es ist immer wieder verblüffend, wie die Propaganda in China wirkt, sogar auf Deutsche. Sie sollten mal Ihre Informationen auf den neuesten Stand bringen. Ich kenen China sehr sehr gut und verfolge fast jeden Tag die aktuelle politische sowie auch menschenrechtliche Lage in China. Aber jetzt sieht man mal wieder bei Ihnen, Naivität kennt keine Grenzen. Eine Diskussion mit Ihnen darüber zu führen ist fast genauso sinnlos, wie mit parteikonformen Chinesen. Sie werden sehen, was wirklich ist eines Tages…

  4. Dievommond says

    Lieber Michael, niemand bestreitet hier, daß in China die Menschenrechte verletzt werden! Doch das wissen die Chinesen selber, es ist kein Geheimniss, auch nicht hier in China! Deswegen glaube ich ja, daß die Internetzensur andere Gründe haben muß. Ich kann mich politisch hier allumfassend und gut informieren und die Chinesen reden auch offen und kritisch über ihre eigene Regierung. Der Grund für eine Internetzensur muß also woanders liegen, so war mein Gedanke.

  5. Dievommond says

    okay, vielleicht ist “allumfassend informieren” etwas zu positiv ausgedrueckt. Es gibt hier tatsaechlich mindestens zwei Themen, ueber die man nur sehr ungern spricht: Tibet und Ai Wei Wei. Erstaunlicherweise kennen die Chinesen aber unsere westliche Meinung sehr gut. Und dann ist das mit den Menschenrechten und der Meinungsfreiheit ueberhaupt so ein Problem: ausgerechnet Laender wie Amerika, die sogar im Namen der Freiheit Kriege fuehren, verletzen ebenfalls die Menschenrechte und was die Meinungsfreiheit anbetriftt: spaetestens wenn Du einen guten Job willst, kannst Du Dir die Meinungsfreiheit auch in Deutschland abschminken. Na, also. Lassen wir dieses ideologisch verzerrte Geschwaetz von der sogenannten Freiheit in westlichen Laendern und der “Unfreiheit” auf dem Rest der Welt.



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